Tempo 180 muss bei Volvo reichen

Tempo 180 muss bei Volvo reichen

Sicherheit geht vor, hier stehen Volvo-Kunden ganz klar hinter ihrer Marke. Das neueste Feature zur Vermeidung von Unfällen beziehungsweise deren Folgeschäden wird jedoch für manche schwerer zu verdauen sein als Drei-Punkt-Sicherheitsgurte (bei Volvo 1959 eingeführt) oder Systeme wie SIPS, ROPS und WHIPS (Seitenaufprall-, Überschlag- bzw. Schleudertrauma-Schutzsystem).

Mit der seit Ende Mai 2020 laufenden Produktion des Modelljahres 2021 werden neue Volvo-Modelle nicht mehr schneller als 180 km/h fahren können. Immerhin gilt überhöhte Geschwindigkeit als eine der häufigsten Unfallursachen. Für den serienmäßigen Zweitschlüssel, den Care Key, kann die Tempobremse sogar noch heruntergesetzt werden. Während bei Volvo Fahranfänger und Co im Fokus stehen, sehen Firmen natürlich die Möglichkeit, Mitarbeiter vor Strafzettel und kostspieligen Unfällen zu bewahren.

Das Ziel von Volvo ist hoch gesteckt: Die Zahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr soll auf null minimiert werden. "Wir glauben, dass ein Autohersteller die Verantwortung hat, zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beizutragen", erklärt Malin Ekholm, Leiterin des Volvo Cars Safety Centre in Göteborg. "Die Geschwindigkeitsbegrenzung und der Dialog, der dadurch in Gang gesetzt wurde, passen zu diesem Ansatz. Dank der Absicherung und dem Care Key erkennen Menschen, wie gefährlich zu schnelles Fahren ist. Beide Maßnahmen sorgen für zusätzliche Sicherheit und ein verantwortungsvolles Verhalten des Fahrers."

Das Wort Dialog ist schön formuliert, Kontroversen trifft es besser. Vor allem in Deutschland gingen die Wogen hoch, ist man dort doch gewohnt, mit entsprechendem Tempo die Distanzen zwischen zwei Terminen zu verkürzen. Sogar das Recht eines Autoherstellers, technisch in die Speed-Spirale einzugreifen, wurde infrage gestellt. Volvo wartet schon auf die nächste Diskussion, denn bald sollen Ablenkung und Rauschmitteleinfluss des Fahrers vom Auto geahndet werden.