"Shared Mobility" in Unternehmen: Ein steiniger Weg

"Shared Mobility" in Unternehmen: Ein steiniger Weg

"Teilen statt Besitzen" ist aktuell schwer im Trend. Nur beim Dienstwagen nicht, wie "Fleet Europe" im Vorfeld des SMART MOBILITY INSTITUTE 2021 bekannt gab: Obwohl ein Dienstwagen mit einer durchschnittlichen Auslastung von rund sechs Prozent praktisch andauernd stillsteht und shared mobility hierbei Abhilfe schaffen könnte, will kaum ein Mitarbeitender freiwillig auf den eigenen Dienstwagen verzichten.

Die Auslastung von Firmenfahrzeugen fand sich lange Zeit kaum im Fokus von Unternehmen. Selbst wenn dem Verantwortlichen überhaupt die passenden Kennzahlen zur Verfügung stehen - was selten der Fall ist - wird den Dienstwagen generell noch immer wenig Beachtung geschenkt. Technologische Fortschritte und ja, auch die Corona-Pandemie könnten hier nun Veränderungen anstoßen. Beide treiben nämlich On-Demand-Lösungen voran. Darüber hinaus ist ein gesellschaftlicher Trend des Übergangs vom Besitz zur Nutzung feststellbar. Im privaten Bereich schon lange akzeptiert und allgegenwärtig, wenden wir die Prinzipien des Teilens zunehmend auch in unserem Berufsleben an. Man findet in praktisch jedem Unternehmen Zeugnisse der Rationalisierung von Vermögenswerten: Drucker werden unter einer Gruppe von Mitarbeitern geteilt, Büroräume und sogar die Tassen und Teller im Pausenraum sind im Wesentlichen gemeinsam genutzte Güter etc.

Überträgt man diese Philosophie auf einen Fuhrpark, kann man mit Sicherheit sagen, dass die meisten Firmenwagen nicht ausreichend ausgelastet sind. Einige Erhebungen zeigen, dass die durchschnittliche Auslastung bei nur 6 % liegt. Ziel sollte laut "Fleet Europe" aber eine Beanspruchung zwischen 20 % und 40 % sein. Zu erreichen ist das vor allem durch "Sharing". Die Akzeptanz der Austauschbarkeit eines Dienstwagens stellt im Gegensatz zu den oben erwähnten Beispielen jedoch eine große Herausforderung dar. Europäische Firmenwagen sind in der Regel hochgradig individualisiert. 

PricewaterhouseCoopers Belgien befragte nun beispielsweise seine Mitarbeiter/innen, ob sie durch die Auswirkung der Pandemie eher bereit wären, ihren Dienstwagen zu teilen. Das ernüchternde Ergebnis: 74 % der 1306 Befragten wollten das nicht. Auf die Frage, was die Mitarbeitenden möglicherweise überzeugen könnte, ihren Firmenwagen für sich allein aufzugeben, war die Antwort: "der Zugang zu einem Auto an Wochenenden und während Ferien, oder ein signifikanter Bargeldzuschuss zum Kauf eines Privatautos".

Das menschliche Element entscheidet somit maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg eines Veränderungsprozesses. Dramatische Umstellungen, wie der Übergang von "Dedicated" zu "Shared", haben beim "Gewohnheitstier" Mensch entsprechend geringe Erfolgschancen. Stattdessen funktionieren Mischlösungen tendenziell besser, bei denen Sharing als Alternative für Poolfahrzeuge etc. und nicht in erster Linie als Ersatz für das eigene Auto implementiert wird.

Wichtig ist zudem eine gelebte Vision, welche die Mitarbeitenden im Rahmen der zu erreichenden Ziele zusammenbringt; Nachhaltigkeit ist dabei meist ein Schlüsselelement. Diese Vision muss zwingend von der Unternehmensführung vorgelebt werden, ansonsten fehlt die Glaubwürdigkeit. Werden nach Möglichkeit unterschiedliche On-Demand-Lösungen angeboten, steigt tendenziell deren Akzeptanz und zudem die Chance, dass das Motto in Zukunft zumindest bei einigen "ein Auto, nicht mein Auto" lauten könnte.