Green NCAP: Unterschiedliche Antriebe, erweiterte Bewertungskriterien

Green NCAP: Unterschiedliche Antriebe, erweiterte Bewertungskriterien

Erstmals werden neben den Emissionsmessungen der Autos auch jene für die Produktion der Kraftstoffe berücksichtigt. Dass ein E-Auto den Sieg einfuhr, lag fast schon auf der Hand.

Während man sich beim EuroNCAP-Test um die Crashsicherheit automobiler Neuerscheinungen kümmert, geht es bei Green NCAP um die Umweltverträglichkeit. Der ÖAMTC und seine Partnerclubs konzentrieren sich hierbei immer auf fünf bis sechs Exemplare, wobei das Prozedere dieses Mal erweitert wurde: "Bis dato umfasste der Test die Messung und Bewertung von Treibhausgasen, die im Auto entstehen: 'tank-to-wheel'. Die neue Green NCAP-Bewertung 'Well-to-Wheel+' dagegen erfasst ab jetzt auch alle Treibhausgas- Emissionen, die bei der Erzeugung und Verteilung von Kraftstoff und Strom entstehen. ‘Well-to-Wheel’ bedeutet von der Quelle bis zum Rad", sagt Max Lang, Fahrzeug- und Umweltexperte beim ÖAMTC. "In weiterer Folge sollen auch die Produktion der Fahrzeuge und Batterien sowie das finale Recycling einfließen – das ist derzeit noch nicht möglich."

Unterschiede bei den Emissionen
Neuerscheinung – das heißt natürlich: Unterschiedlichste Antriebsarten kommen hier zum Handkuss, vom schlichten Benziner bis zum E-Mobil. Audi Q4 e-tron Sportback 50 (elektrisch), Genesis GV70 2.5 TGDI (Benzin), Hyundai Bayon 1.0 TGDI 48V (Benzin-Hybrid), Peugeot 308 1.2 PureTech 130 (Benzin), Renault Kangoo TCe 130 (Benzin) und VW Caddy 1.5 TSI (Benzin) unterscheiden sich aber nicht nur vom Antrieb her. Auch die Aufbauvarianten sind höchst unterschiedlich – schließlich hängt zum Beispiel der Faktor Luftwiderstand stark von der Karosserieform ab.

Fünf Sterne für vier Ringe
Wie fast nicht anders zu erwarten, konnte sich der batterieelektrische Audi Q4 durchsetzen. Die Batterie mit 76,6 kWh ermöglicht bei realen Fahrbedingungen und einer zurückhaltenden Klimaanlagennutzung eine Reichweite von ungefähr 420 Kilometer. Unter winterlichen Verhältnissen reduziert sich die Reichweite auf ca. 270 Kilometer.

Weniger gut lief es für das kompakte Luxus-SUV Genesis GV70. Der 2,5 Liter große turbogeladene Benzinmotor erwies sich mit 9,9 Liter Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometer als recht durstig, ist wenig energieeffizient und erzeugt viel CO2 im Fahrbetrieb (217 g/km). Bei den Schadstoffen werden einige Euro 6d Standards gerade so erreicht, sodass am Ende nur ein grüner Stern im Test erzielt werden konnte.

Interessant das Ergebnis des kleinen Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 48V: Der verfügt über einen Dreizylinder-Benzinmotor mit 48-Volt-Elektromotor, ist also ein sogenannter Mild-Hybrid. Die guten Verbrauchs-und damit Energieeffizienzwerte des kleinen Motors werden leider trotz Partikelfilter von schlechten Schadstoffwerten bei Ammoniak (NH3), Kohlenmonoxid (CO) und Feinstaub-Partikeln (PN) überschattet, sodass der Hyundai am Schluss nur 2,5 Sterne im Green NCAP erzielt.

Der Peugeot 308 1.2 PureTech 130 als Vertreter der Kompakten hat ebenfalls einen Dreizylinder-Motor, kombiniert mit einem Partikelfilter, aber frei von jeglicher E-Unterstützung. Er punktet mit guten Energieeffizienzwerten und einem moderaten CO2-Ausstoß. Aber auch hier kämpft der kleine Motor trotz Partikelfilter mit schlechten Schadstoffwerten (CO, PN), speziell bei hoher Belastung. Das Resultat sind zwei Sterne in diesem Test.

Der Renault Kangoo TCe 130 ist als kleines Raumwunder natürlich mit einem hohen Aufbau versehen. Das beschert dem verbauten Turbobenziner mit vier Zylindern natürlich den Nachteil einer schlechten Aerodynamik. Damit sind nur bescheidene Energieeffizienzwerte möglich und vor allem der CO2-Ausstoß ist sehr hoch. Die restlichen Schadstoffwerte fielen dafür gut aus, daher erreicht der Renault respektable 2,5 grüne Sterne.

Als Vertreter der kleinen Vans trat der VW Caddy mit 1,5-Liter Turbo-Benzinmotor an. Doch auch er hat aufgrund der schlechten Aerodynamik mit einem hohen CO2-Ausstoß zu kämpfen. Die Energieeffizienz liegt im mittleren Bereich, die Schadstoffwerte zeigen ein ambivalentes Bild – gute Stickoxid-Werte (NOx) stehen sehr schlechten NH3-Werten gegenüber. Das Ergebnis sind ebenfalls respektable 2,5 von fünf möglichen Sternen.