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Krisenauswirkung auf die Fahrzeug-Restwerte

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Krisenauswirkung auf die Fahrzeug-Restwerte

Auf die Autobranche wartet ein extrem schwieriges Jahr, Angebot und Nachfrage wirken sich noch stärker auf Restwerte und Rabatte aus, auch für Fuhrparks ein wichtiges Thema. Eine Eurotax-Analyse.

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Seit Mitte März hat die Corona-Pandemie das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den meisten Ländern fest im Griff. Die Erfahrungen aus der – mit der aktuellen Situation allerdings nur bedingt vergleichbaren – Finanzkrise 2008/2009 haben gezeigt, dass die Erholung der Nachfrage deutlich länger dauern kann als zunächst angenommen. Das hat sich damals auch in der Entwicklung der PKW-Restwerte widergespiegelt: Der Wertverlust von 3-jährigen Gebrauchten war in den meisten Fahrzeug-Segmenten in den ersten 6 bis 9 Monaten nach dem Crash deutlich geringer, als in den darauffolgenden 2 Jahren. Kurzfristig sind die Werte damals im Schnitt um -1,3% zurückgegangen, mittelfristig betrug der Wertverlust allerdings rund -6%.

Die Einflüsse auf den Restwert

Um mögliche Szenarien der aktuellen Krise auf die Restwerte zu skizzieren, lohnt ein Blick auf die wichtigsten Faktoren, die den Restwert eines Fahrzeugs maßgeblich beeinflussen: Unter anderem spielen Angebotsmengen, die Nachfragesituation und nicht zuletzt der tatsächlich verrechnete Neupreis unter Berücksichtigung der Rabatte eine wichtige Rolle. Insbesondere Rabatte wirken sich direkt auf den Restwert aus, da die gewährte Differenz zum Listenpreis später auf dem Gebrauchtmarkt kaum mehr wettgemacht werden kann. Auch die Strategie der Hersteller hinsichtlich Kurzzeitzulassungen sowie Volumina bei Vermietungen hat einen direkten Einfluss auf die zu erwartende Angebotsmenge auf dem Gebrauchtwagen-Markt und damit auf den Preis sowie Restwert.

Zunächst zu den Angebotsmengen: Solange das Angebot die Nachfrage trifft, kann der Restwert hochgehalten werden. Kommt es in der Angebotsentwicklung – auch wenn nur über Phasen – zu einem Überangebot an Fahrzeugen, leidet der Restwert und das kann unter Umständen auch nachhaltig sein. Fast alle Hersteller in der EU haben in den vergangenen Wochen die Produktion vorübergehend eingestellt, was sich in diesem Jahr in sinkenden Neuwagen-Volumina zeigen wird und somit in den folgenden Jahren auch für geringere Mengen bei jungen Gebrauchtwagen sorgen wird.

Die Szenarien für den Weg aus der Krise

Eurotax hat fünf mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Erholung im Hinblick auf deren Wahrscheinlichkeit untersucht:

Die beiden Best-Case Szenarien gehen von einem nur kurzen, aber heftigen Einbruch und einer mehr oder weniger schnellen Erholung des Marktes aus – also von einem V-förmigen Verlauf der Krise. Das mittlere Szenario geht von einer langsamen Erholung auf das Vor-Krisen-Niveau aus. Die Kurve ist in diesem Fall U-förmig, wobei die Länge der Talsohle stark vom weiteren Verlauf der Infektionszahlen und damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden abhängen wird. Die beiden Worst-Case Szenarien gehen von einer langen Rezession aus, mit langfristigen negativen Effekten auf die allgemeine Wirtschaftslage und Nachfragesituation.

Auf Basis der aktuellen Marktsituation ist die Wahrscheinlichkeit für folgende 2 Szenarien ähnlich groß: “langsame, U-förmige Erholung”, sowie “mittelmäßig schnelle V-förmige Erholung”. „Aktuell ist eher von einer langsamen oder mittelmäßig schnellen Erholung auszugehen“, so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Österreich. „Auf den plötzlichen Einbruch folgt voraussichtlich keine sehr steile Erholung, sondern eine mittelmäßig schnelle oder langsame Wiederbelebung des Marktes.“

„Das Zusammenspiel von zusätzlichen Rabatten und der Nachfrage wird für die Restwert-Entwicklung entscheidend sein“, so Robert Madas weiter. „Sollten aufgrund der Krise vor allem am Neuwagenmarkt ungewöhnlich hohe Rabatte für einen längeren Zeitraum gewährt werden, dann erwarten wir in diesem Jahr einen moderaten Wertverlust von rund minus 1% bis 2%“, so Robert Madas weiter, „mittelfristig ist allerdings von einer stärkeren Anpassung der Restwerte im Ausmaß von rund 3% bis 4% auszugehen.“ Im Fall von kurzfristig gewährten hohen Rabatten am Gebrauchtwagenmarkt wäre wiederum von einem höheren Wertverlust noch in diesem Jahr auszugehen, wobei mittelfristig die Werte stabiler sein sollten, vorausgesetzt die Rabatte am Neuwagenmarkt halten sich im Rahmen.

Allerdings ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh für eine abschließende Prognose, welche mittelfristigen Auswirkungen Covid-19 auf die Wirtschaft und in weiterer Folge auf die Gebrauchtwagenmärkte haben wird. Derzeit sind bereits erste positive Anzeichen im Hinblick auf die täglichen Neu-Infektionen zu verzeichnen. Allerdings sind auch die hohen wirtschaftlichen Kosten, die durch die zur Eindämmung der Pandemie notwendigen Maßnahmen entstehen, deutlich zu spüren. Die kommenden Wochen werden also für die weitere Analyse der Marktsituation als auch für die Anpassung der Szenarien entscheidend sein, um die künftigen Entwicklungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt abzuschätzen.

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