"Ich zeige oft, was alles möglich wäre."

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"Ich zeige oft, was alles möglich wäre."

Ursprünglich war Hans Roth Gemischtwarenhändler. 1979 gründete er, gemeinsam mit seiner Frau, das Entsorgungsunternehmen Saubermacher - als Beitrag für eine lebenswerte Umwelt. Heute beschäftigt das Unternehmen 3.200 Mitarbeiter in sieben Ländern, pro Jahr werden 3,5 Millionen Tonnen Abfall übernommen, dank hoher Verwertungsquoten und Abfallvermeidung nicht nur klimaneutral, sondern sogar klimapositiv.

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Was wollten Sie als Kind werden?

Lokomotivführer war ein Traum. Aber in Wahrheit habe ich gespürt, dass ich Kaufmann werden will, denn meine Eltern hatten ein Gemischtwarengeschäft und haben Waren aller Art verkauft, von der Wurstsemmel über die Damenunterwäsche bis hin zu Zement.

Welche Ausbildungen waren für Sie die relevantesten?

Ich habe eine Lehre in einem sehr renommierten Kaufhaus gemacht. Da habe ich die Grundelemente mitbekommen wie Zuverlässigkeit, Fleiß und dass der Kunde wichtig ist. Aus unserem Gemischtwarenhandel hab ich dann Roth Baustoffhandel gemacht, danach Roth Heizöle und letztlich Saubermacher, weil ich versucht habe, in unserem kleinen Ort alles abzudecken, was die Bevölkerung und die Region braucht. Saubermacher ist deswegen gegründet worden, weil ich für die Region die Müllabfuhr machen wollte. Davor hat es die Abfallwirtschaft nicht gegeben. Das klingt nun alles sehr leicht, de facto hat meine Frau die ersten 15 Jahre viel beim Aufbau geholfen, weil ich mit anderen Unternehmen unserer Familie beschäftigt war.

Wer war Ihr Mentor und wobei hat er Sie am meisten gefördert?

Meine Eltern, sie waren ein großes Vorbild. Ich hab allerdings immer schon viel gelesen und versucht, mir von guten Firmen etwas abzuschauen. Zum Beispiel den Mitarbeitertag von McDonald's, an dem alle Führungskräfte immer wieder an die Front müssen, um zu sehen, wie es den Leuten wirklich geht.

Wie wichtig ist Netzwerken?

Ich habe gute Kontakte und pflege diese auch, aber ich bin nicht der, der zehn Visitenkarten am Abend einsammeln möchte.

Durch welche Krise sind Sie gereift?

Ich habe viele Krisen mitgemacht, ob es dieÖlkrise war oder ein großer Kunde in Konkurs gegangen ist. Das hat mich alles sehr belastet, ich bin ein Waage-Mensch, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich konzentriere mich nun auf das Positive und lasse das Negative.

Welches Zitat sollte man von Ihnen lesen?

Was ich gern sage: Ich kann allein nicht die Welt verändern, aber ich kann Zeichen setzen, zum Beispiel mit unseren recylcefähigen Müllkübeln. Das ist unsere gesellschaftliche und kulturelle Verantwortung. Ich zeige oft, was alles möglich wäre, und wenn viele das kopieren, wird sich die Welt zum Positiven verändern.

Social Media&Co: Wie wichtig sind Account und Follower?

Ich selbst bin nicht auf Facebook oder Twitter, aber auf LinkedIn aktiv. Der Hebel ist schon groß, ich bin überzeugt, dass das wichtig ist.

Was bedeutet Geld für Sie?

Ich hab nie davon geträumt, reich zu werden und anfangs nie überlegt, ob das finanziell etwas bringt, sondern immer: Was ist der Kundennutzen? Auch heute hat Geld keine übergeordnete Bedeutung für mich, ich träume weder von der Pension noch davon, eine Weltreise zu machen. Meine Wünsche sind erfüllbar, beispielsweise ein Buch oder eine neue Uhr.

Gibt es ein Rezept für Ihren Erfolg?

Ich glaube, weil ich so bin, wie ich bin, weil mein Tun und Handeln und Denken stimmig sind. Ich glaub auch nicht, weil wir so tolle Kübel haben, sondern weil die Geisteshaltung in unserer Firma den Mitarbeitern und den Kunden Nutzen bringt.

Wie relevant ist das richtige Timing im Leben?

Ich war vielleicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber nicht aus strategischen Gründen, sondern aus den Gegebenheiten heraus. Ich habe das, was man gebraucht hat, organisiert und vervollständigt.

Die Bedeutung von Pausen - wie viele und welche machen Sie?

Ich bin schon fleißig, aber es gibt einfache Dinge wie früh aufstehen, um ein bis zwei Stunden für mich allein zu haben. Ich geh gern Rad fahren, da kann ich abschalten, und ich lese sehr viel, da kann ich mich auch in meine eigene Welt versetzen und schnell abschalten.

Glauben Sie an Zufall, Schicksal oder haben wir Menschen "es selbst in der Hand"?

Ich glaube an ein nächstes Leben und so lebe ich auch. Ich glaube aber auch, dass vieles vorbestimmt ist und man nicht davonlaufen kann. Man kann allerdings seinen Beitrag leisten, dass es nicht nur Schicksal und Zufall ist. Diese Verbindung, so zu leben und Zufälle und Schicksal zu tolerieren, damit komme ich gut zurecht.

Welche Fähigkeiten sollte man als Führungskraft haben?

Führungskraft heißt führen, wertschätzen und Vorbild sein. Ich glaube, dass man durch die Vorbildwirkung am meisten erreichen kann, ob ich also pünktlich bin, wertschätzend, mir Zeit nehme. Eine gute Führungskraft zu sein, ist mehr, als ein guter Verkäufer oder Betriebsleiter zu sein.

Treffen Sie Entscheidungen aus dem Kopf oder aus dem Bauch heraus?

Viele aus dem Bauch heraus, ich schlafe aber immer drüber. Als Waage bin ich nicht so entschlussfreudig und brauche oft ein bisschen länger und überlege, ob das alles Sinn macht.

Aus welchen Situationen haben Sie beruflich am meisten gelernt?

Ich lerne jeden Tag und vieles von anderen.

Haben Sie jemals an sich gezweifelt?

Ganz ehrlich: Ich bin kein so außergewöhnlich selbstbewusster Kerl, der sich jeden Tag auf die Brust klopft und sagt: "Ich bin der Beste." Natürlich kommen gelegentlich Zweifel, ob ich etwas schaffe und kann. Mein Motto in dem Zusammenhang und das sag ich auch zu meinen Führungskräften: Wenn man jemanden aufnimmt, dann solltederjenige besser sein, als man selber ist.

Haben Sie einen Rat für Menschen in schwierigen Situationen?

Ich bin kein Psychologe, aber ich helfe mir selbst, indem ich immer an das Gute denke. Das versuche ich auch Menschen oder Mitarbeitern, denen es nicht so gut geht, zu sagen, was oft nur ein schwacher Trost ist. Im Unternehmen haben wir dafür eine eigene Gesundheitsabteilung und wissen sofort, wen wir rufen müssen. Wir haben auch den Verein Helping Hands gegründet, der sich um ärztlichen oder juristischen Beistand oder psychologische Themen kümmert.

Worüber würden Sie gerne mehr wissen?

Jeden Tag etwas Neues. Ich bin sehr interessiert und fasziniert, was auf der Welt alles passiert und was junge Menschen alles schaffen, auf welche Ideen die Leute kommen.

Welchen Traum möchten Sie gerne realisieren?

Zwei: Einmal, dass ich sieben bis 10.000 Leute beschäftigen kann. Arbeitsplätze zu schaffen, ist eine der wichtigsten und schönsten Leistungen für einen Unternehmer. Und: das alles bei guten wirtschaftlichen Verhältnissen.

Was in Ihrem Leben würden Sie gern ungeschehen machen?

Einiges, weil ich manchmal vielleicht zu schnell entschieden habe. Meistens ging es dabei um Menschen, wo ich mir mehr Zeit hätte nehmen müssen und es vielleicht harmonischer und angenehmer hätte lösen können. Aber selbst da denke ich mir: Vielleicht ist es dennoch gut so, wie es ist.

Was wollen Sie der Welt hinterlassen?

Ich habe mich in meinem beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Leben bemüht und Zeichen gesetzt, also vielleicht den einen oder anderen dazu zu animieren, das Gute davon zu verwenden.

Wie motivieren Sie sich, wenn's mal nicht so läuft?

Dankbar sein, dass ich so viel Glück gehabt habe in meinem Leben und nicht hadern, wenn's einmal nicht so läuft.

Wie organisieren Sie sich für maximale Effizienz?

Ich bin digital organisiert, mein Büro und ich machen viele Termine, privat und beruflich, ich plane sehr langfristig.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die nach dem Schulabschluss nicht wissen, für welchen Beruf Sie sich entscheiden sollen?

Ich höre das oft von jungen Leuten und sage immer: Macht das, was Ihr gern tut. Das stelle ich fast in den Vordergrund. Jeder hat auch auf irgendeine Art besondere Fähigkeiten. Das sollte ein junger Mensch bündeln. Auch wenn man vielleicht sagt, so eine Position gibt es nicht es gibt sie. Vielleicht nicht immer am richtigen Platz mit den richtigen Bedingungen. Ich konnte mich verwirklichen, indem ich das tun konnte, was ich gern getan habe. Wenn also jemand studiert hat, aber Sozialarbeiter werden will, sag ich ihm: Mach das bitte und du wirst gut werden. Natürlich braucht man auch eine Firma oder Organisation, wo man das umsetzen kann. Ich würde auch jedem sagen: Wenn du etwas so wahnsinnig gern machst und das Gehalt ist nur gering, tu es trotzdem, auch wenn alle dagegen sind und frag nicht gleich anfangs nach mehr Geld und Sozialleistungen. Es wird die Zeit kommen, wo es dir gelohnt wird.

Auf wessen Rat hören Sie heute immer noch?

Ich nehme gern jede positive Anregung auf, bin aber eher der Einzelgänger. Ich höre also überall zu und bin offen für alles, bilde mir aus den vielen Infos eine Meinung und entscheide dann.

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