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Kommentar: Erdgas – Auch die letzte Chance vergeben

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Kommentar: Erdgas – Auch die letzte Chance vergeben

Trotz einer weiteren Offensive kommt das Thema Erdgas nicht vom Fleck, Henning Heise – Obmann des Fuhrparkverbandes Austria – fürchtet, dass jetzt auch die letzte Chance vergeben wurde.

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Unter dem Credo "Wenn nicht jetzt, wann dann?" trat der VW Konzern Ende Juni 2019 mit der Bekanntgabe einer Erdgas/CNG-Offensive an dieÖffentlichkeit.  Seat, Škoda und VW würden verstärkt auf den saubersten konventionellen Antrieb setzen, die Modelle - vom Kleinwagen bis zum Transporter - sollten am Markt und auf der Straße wortwörtlich "Gas geben".

In Österreich verpartnerte sich die Porsche Holding darüber hinaus mit der OMV, während die einen die Fahrzeuge liefern sollten, würden die anderen die bereits vorhandene Tankstelleninfrastruktur verdichten. Dieser Plan war eine Winwin-win-Perspektive: Die Hersteller könnten mehr abgasarme Fahrzeuge verkaufen, die anderen mehr sauberen Treibstoff absetzen und die Käuferwürden von geringeren Spritkosten und keinen Einschränkungen bei der Reichweite auf der Langstrecke profitieren.

Sauber und sinnvoll

Das macht die CNG-Fahrzeuge vor allem für Flottenkunden interessant, überzeugen die Erdgasmodelle doch nicht nur mit niedrigeren TCO (Total Cost of Ownership), sondern auch mit ökologischen Vorteilen. So emittieren sie bei der Verwendung von Bio-Gas bis zu fünf Prozent weniger Kohlendioxid (CO2), bis zu 50 Prozent weniger Kohlenmonoxid (CO), bis zu 80 Prozent weniger reaktive Kohlenwasserstoffe (HC) und bis zu 70 Prozent weniger Stickoxide (NO).

Ihren größten Trumpf spielen sie aber bei den Feinstaubemissionen und der Abgabe von Rußpartikeln in die Umwelt aus, der liegt bis zu 99 Prozent unter dem eines Dieselmotors. Kurz: Die Technik ist ausgereift und auch die Verfügbarkeit ohne lange Lieferzeiten wäre gegeben gewesen. Dazu kommt: Erdgasfahrzeuge benötigen bei der Produktion nicht mehr Energie als ein konventionelles Fahrzeug - und verbrauchen auch im Gegensatz zu einem Elektroauto keine seltenen Erden, Lithium oder Kobalt.

Dann wohl nie!

Knapp neun Monate sind seit dem Start der CNG-Offensive vergangen. Jetzt müsste das "Wenn nicht jetzt?" mit einem "Dann wohl nie!" ergänzt werden. Denn VW hat bekanntgeben, sich aus der Entwicklung von Erdgasfahrzeugen zurückzuziehen, da laut Vorstandschef Herbert Diess "die Akzeptanz durch die Kunden gefehlt hat". Warum aber hat der Konsument nicht gekauft, trotz allder Vorteile? Die Antwort ist vielschichtig und einfach zugleich. CNG-Fahrzeuge konnten -wie in der Vergangenheit auch schon -bei den Käufern nicht reüssieren, weil ihre Vorteile weder von Medien, Herstellern noch von Autoverkäufern richtig und breitflächig kommuniziert wurden.

Hätten die Medien nur einen Bruchteil der Berichterstattung dem Thema CNG und seinen Vorteilen gewidmet, die sie in den vergangenen neun Monaten der Elektromobilität oder den Negativnachrichten zum Diesel spendiert haben, dann wären die Konsumenten heute besser informiert und würden die Technik stärker nachfragen. Wären die Autoverkäufer besser auf die Vorteile von Gasfahrzeugen geschult gewesen und hätten diese Informationen verkaufsfördernd an die Kunden weitergeben und offensiv Probefahrten angeboten, wären die Verkaufszahlen in den neun Monaten gestiegen.

Potenzial begraben

Die Sache ist nämlich die, nur wer das Produkt begreift, ausprobiert und fährt, lässt sich nachhaltig vom Gegenteil der stark in den Köpfen verwurzelten Mythen und Märchen überzeugen. Ein Erdgasfahrzeug hat nämlich de facto weder ein explosives Problem noch ist die Einfahrt in Tiefgaragen verboten, beides betrifft ausschließlich Flüssig- und Autogas und dabei vor allem gefährlich verpfuschte Selbstumbauten. Schade, dass die Autoindustrie dieses Potenzial wohl endgültig begräbt und damit wiederum eine Chance verpasst hat, sich in ein positiveres Licht zu rücken.

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