Schon (vorab) gefahren: Cupra Raval
4,05 Meter lang, tiefergelegt, verbreiterte Spur: Der Cupra Raval ist das erste Auto auf der neuen, kleinen Elektro-Plat...
Ein SUV ist eine gute Idee, ein Cabrio auch. Aber beides in Kombination? So ganz dürfte nicht einmal Nissan davon überzeugt gewesen sein, dass das Murano CrossCabriolet funktionieren könnte.
Wer nicht mehr weiß, wer oder was der Murano überhaupt war: Es handelte sich dabei um ein kugelrundes SUV us-amerikanischen Zuschnitts – stets sanft gefedert, dick beledert, etwas knuffig anzusehen und vor allem mit streichelweichen V6-Benzinern bestückt. In unseren Breiten also kein Zeitgenosse, den man öfters zu Gesicht bekam. Dennoch lief der Wagen über mehrere Generationen, und das teilweise sehr erfolgreich, weil das Konzept an sich ja stimmig und erprobt war. Umso mehr fragte sich die Autowelt dann aber, warum Nissan 2011 auf die Idee kam, aus dem fünftürigen Raumgleiter ein zweitüriges Cabrio zu machen. Oder genauer gesagt: ein CrossCabriolet?
Über viele Dinge legt sich der Mantel der Geschichte schützend, doch in diesem Fall gibt es doch einige Gerüchte, die zumindest vermuten lassen, wie es soweit kommen konnte. Und alles mündet bei einer Person: Carlos Ghosn. Der ehemalige Nissan-Oberboss brachte die etwas öde Firma in den Nuller-Jahren kräftig auf Vordermann, ging in die Analen ein mit gewagten Entscheidungen, die aber echte Knaller hervorbrachten, wie den GT-R zum Beispiel, oder auch den 370Z. Glaubt man den jüngsten urbanen Mythen, soll aber seine damalige Gattin für den offenen Murano der Auslöser gewesen sein. Besagte Person soll nämlich das Fahrgefühl dieses Nissan sehr geschätzt haben. Aber oben ohne, das wäre dann natürlich noch gleich viel besser.
Wenn ein CEO etwas in Auftrag gibt, der für seine riskanten Ideen bekannt ist, tut man sich als Techniker oder Buchhalter natürlich schwer, etwas dagegenzusagen. Denn nicht nur die rechnerische Seite des Projekts stand auf dünnen Beinen, da man damals noch überhaupt keine Idee hatte, ob es eigentlich einen Markt dafür gibt. Und dann kamen noch die horrenden Entwicklungskosten dazu, denn die gesamte Struktur des Murano war nie dafür ausgelegt, das Dach abzutrennen und nur zwei Türen zu haben. Es konnte also relativ wenig von den anderen Versionen übernommen werden, was wiederum die Bilanzjongleure in Tränen ausbrechen ließ. Alles in allem also eine ziemlich holprige Entwicklung, die 2011 aber dann doch in einem Serienmodell mündete.
Es ist leider nicht überliefert, was Frau Ghosn dann vom Endresultat hielt. War sie zufrieden? Fuhr sie jemals mit einem CrossCabriolet? Wenn ja, wie lange? Gesichert ist hingegen, dass die Welt auf so ein Fahrzeug nicht wirklich gewartet hat. Es war aber nicht nur die Ratlosigkeit, was Nissan mit diesem sehr speziellen Vehikel eigentlich wollte. Die Weichheit des Aufbaus, das bunkerte Design, alles wirkte ein wenig erzwungen und nicht wirklich ausgereift, wobei das alles noch wurscht gewesen wäre, wenn die Käufer den CC-Murano einfach gern gehabt hätten. Aber diese Klientel gab es damals schlicht noch nicht.
So kam es wenig unerwartet, dass 2014 auch schon wieder Schluss war mit einem Modell, das dann aber doch in die Geschichte einging als Wegbereiter einer neuen Nische, wenn man bedenkt, dass sowohl Range Rover als auch VW auf genau diesen Zug der Crosscabrios aufsprangen und ähnliche – wenn auch harmonischere und kleinere – Modelle auf den Markt brachten, und das durchaus erfolgreich.
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