Schon gefahren: Toyota bZ4X
Toyota hat das Elektro-SUV bZ4X tiefgreifend überarbeitet. Dank neuer Batterien steigt die Reichweite auf bis zu 568 Kil...
Die richtige Idee zum falschen Zeitpunkt führt oft zu einer langen Tragödie. Im Falle des G-Wiz ist es gleich doppelt tragisch: Ein topmodernes Konzept des City-E-Flitzers macht sich gesetzliche Lücken zunutze und scheitert dann doch daran.
Heutzutage gibt es wohl kaum ein E-Auto, das es nicht gibt. Klein, groß, dick, schlank, noch größer und dicker, also es gibt eine ziemliche Auswahl jedenfalls. Doch zu Beginn dieses Jahrtausends war vielen nicht einmal klar, wie schlaue E-Mobilität auszusehen hat – die meisten machten sich überhaupt noch keine Gedanken über diese Antriebsform grundsätzlich. Bis auf ein kleines Dorf im indischen Bangalore, wo die Reva Electric Car Company an ihrer ganz persönlichen kleinen Revolution bastelte. Dort erkannte man nämlich das große Potenzial der Elektrizität für die Kurzstrecke, den Stadt- und Pendelverkehr. Also trieb man diese Idee auf die Spitze und drehte das gesamte Fahrzeugkonzept exakt auf diese Einsatzzwecke hin.
So entstand ein dreitüriges Vehikel von 2,6 Metern Länge und 1,3 Metern Breite, das genügend Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder dahinter bot, wobei man die Wahl hatte statt der Reproduktionen auch den Wocheneinkauf mit an Bord zu hieven. Die gelieferten 7 PS klingen nicht nach viel, nur gab es eine Art Turboboost auf 18 PS und ein Leergewicht von 400 Kilogramm machten schnell klar, dass man auch so ganz easy auf die angegebenen 80 km/h kam – mehr bedarf es in den tagtäglichen Routinen zur Arbeit und Retour meist nicht. So lief man mehr oder weniger erfolgreich sieben Jahre vom Band, wobei weniger die Bleiakkus Probleme machten, die direkt unter den Vordersitzen montiert waren. Eher war es ein Schlupfloch in der EU-Gesetzgebung, dass der G-Wiz ohne Crash Test bei uns auf die Straße kommen konnte.
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So galt er nämlich als eine Art Quad, wegen des niedrigen Leergewichts, womit man zahlreiche Sicherheitsvorschriften umsegelte, was zwar schon cool ist auf der einen Seite. Der Ur-Wiz war aber dermaßen flapsig montiert, dass die ersten Opfer im Londoner Stadtverkehr nicht lange auf sich warten ließen. Gerade die vorwärtsgewandte Prominenz fand tatsächlich Gefallen an dem kleinen Sonderling, als aber eine Vertreterin dieser Gattung Mensch dann bei einem Hochgeschwindigkeitscrash im Morgenstau gegen einen Skoda krachte und verstarb, kam das clevere Stadtvehikel schnell in Bedrängnis. Man musste also investieren, ob man nun wollte oder nicht.
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Das erste Upgrade umfasste neben mehr Drehmoment und einem komplett neu entwickelten Motor vor allem Features wie eine Klimaanlage aber auch Scheibenbremsen vorne oder eine Lenksäule, die sich bei einem Aufprall zusammenfaltete – alles Dinge also, die bei uns schon lange selbstverständlich waren, für die es in Indien aber noch an Know how fehlte, weswegen man extra auf Hilfe von Lotus zurückgriff, die den Auftraggebern auch nahelegten, das Chassis vielleicht ein wenig zu verstärken. Dann käme man zwar auf 665 Kilo Leergewicht, aber man hätte so zumindest die Chance, nach einem Unfall heil aus dem G-Wiz rauszukommen.
Gesagt getan, doch dauerte die Überarbeitung nicht nur länger als geplant. Auch machte die Antriebstechnik auf dem E-Sektor zu jener Zeit erste signifikante Schritte in die richtige Richtung, sodass man sich nur ein Jahr später genötigt sah, eine erneute Überarbeitung durchzuführen, wobei der Beiname „L-ion“ schon viel von den Verbesserungen vorwegnahm: So kam nämlich erstmals eine Lithium-Ionen-Batterie zum Einsatz, die das Gewicht nicht nur um 100 Kilogramm senkte. Auch reduzierte sich die Ladedauer gleich um sechs Stunden und die Reichweite lag bei akzeptablen 120 Kilometern. Schlicht gesagt: Als es bei den Europäern erst langsam mit den BEV losging, lief unser kleiner Held endlich – acht Jahre nach seiner Lancierung – zur Höchstform auf. Oder wie manche meinen: acht Jahre zu spät.
Zu jener Zeit war der Ruf des Reva nämlich schon arg angeschlagen, und dass die zahlreichen Nachbesserungen den Preis in manchen EU-Ländern auf fast 18.000 Euro ansteigen ließen, ließ die meist urbane und hippe Käuferschicht auch nicht gerade fröhlich zugreifen. Dennoch schaffte es der Wiz, über mehrere Jahre das meistverkaufte Elektroauto nicht nur in England zu werden.
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