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Mit Weizen reizen

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Manfred

Die aktuell hohen Spritpreise können Sorgen bereiten. Aber auch zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel darüber, warum wir derzeit wirklich so viel für Super und Diesel zahlen.

Als ich vor langer Zeit einmal jung war, tat ich mir immer schwer damit, zu verstehen, wie jemand von Krisen oder Kriegen profitieren kann. Wenn Mensch und Tier leiden, von dem ganzen CO2 der zahlreichen Bomben abgesehen, wer soll da bitteschön wie Vorteile haben? Mittlerweile bin ich ein wenig schlauer geworden und die derzeitigen Tarife für Benzin und Diesel zeigen schön, dass die wahren Schuldigen – oder  eben: Profiteure – oftmals ganz woanders zu suchen sind als angenommen. Zwei Beispiele.

Die Straße von Hormus ist ein wichtiger Handelsweg für Rohöl, aber nur 30 Prozent des in Europa verwendeten Rohstoffs aus dieser Region kommen von dort. Der Rest wird durch die Pipeline Petroline geschickt, die nun wohl erstmals auf voller Leistungfähigkeit laufen wird. Abgesehen davon, dass der Iran Hormus wohl nie vollständig sperren wird, allein schon zu Selbstzwecken, würde die Bedeutung dieser Schifffahrtstraße für das Abendland aufgrund von Petroline noch mehr abnehmen, vielleicht sogar auf knapp null Prozent.

Und selbt wenn nicht: Der Preis für ein Barrel Öl aus der Region liegt momentan bei rund 125 Dollar. Die Preise, die bei uns zur Bemessung des Spritpreises zu Rate gezogen werden, ist aber die norwegische Rohölsorte Brent Crude, die also weitgehend unabhängig von den Vorkommnissen im Nahen Osten gefördert wird. Dass diese derzeit bei knapp 100 Dollar liegt, mag viele Gründe haben. Wohl aber nicht, dass rund um die Ölfelder in der Nordsee ein Angriffskrieg stattfindet. Um die Profiteure aber noch ein wenig mehr einzugrenzen, lohnt sich nun noch ein Blick in die Vergangenheit.

2012 zum Beispiel, als es bis auf ein paar Unruhen und zahlreiche Proteste auf der Welt kaum kriselte, lag der Durchschnittspreis eines Barrel Brent bei 112 Dollar, der für einen Liter Super an den Zapfsäulen dennoch nur bei 1,30 Euro. Aus diesen Erkenntnissen Schlüsse zu ziehen, ist jetzt jedem selbst überlassen. Tatsache ist jedenfalls, dass Maßnahmen der Regierung in diesem Bereich die Ursachen vielleicht übertünchen, nicht aber beseitigen würden.

Gleichzeitig kommen mir die derzeitigen Raunzereien rund um dieses Thema auch bekannt vor. Egal an welchen Moment ich mich erinnere, streng genommen, war nach den populistischsten Stimmen der Spritpreis eigentlich seit der Ölkrise 1973 immer schon viel zu hoch und wenn es nach mir persönlich geht, klingen alle Forderungen der Grünen von früher fast schon versöhnlich: Ein Liter Benzin muss 20 Schilling kosten – sehr sehr gerne.
All das hilft dem durchschnittlichen Autofahrer wenig. Genauso wie der Tipp, sich halt einfach ein Elektroauto zu kaufen. Für viele so leicht wie für die Franzosen unter Jean-Jacques Rousseau, die den Ärmsten der Armen empfahl, einfach Kuchen zu essen, wenn sie kein Brot haben. Damals übrigens lag der Weizenpreis auf dem Dreifachen des Normalwerts. Bis wir also wegen der hohen Spritpreise eine Revolution anzetteln, sollte es zumindest noch ein wenig dauern. Und die Falschen treffen würde sie wohl auch.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.

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