Test Toyota Corolla TS: Das letzte Quentchen

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Test Toyota Corolla TS: Das letzte Quentchen

Die Modellpflege bescherte dem Corolla Kombi mehr Leistung und mehr Technik. Doch macht ihn das zum idealen Firmen- wagen? Ein guter Grund für eine ausführliche Proberunde.

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Was war das für ein Aufreger damals. Ausgerechnet Toyota, die nette Marke von nebenan mit immer perfekt gezogenem Scheitel und den besten Tugenden, baut nicht mehr nur einwandfreie und faltenfreie Konfektionsware . Plötzlich zog spannendes Design ein, was die immer schon clever konstruierten Japaner auf einmal f&uu ml;r eine deutlich größere Klientel attraktiv machte. Einer der ersten dieser blechernen Revolution war der Corolla, der sogar als Kombi namens Touring Sports geradezu athletisch auftrat. Ein wichtiger Beitrag in der sonst eh so biederen Klasse kompakter Kombis.

Wenig hilft viel
Wie groß der damalige Wurf wirklich war, zeigt sich knapp sechs Jahre später beim überarbeiteten Modell: Wir wollen wirklich niemandem zu nahe treten, aber von einem klassischen Facelift kann beim Corolla einfach nicht gesprochen werden. Da es auch nicht nötig gewesen wäre, beließ man es bei dezenten Merkmalen, frischte den Kühlergrill auf, verpasste der Lichtsignatur ein wenig Botox, rahmte die Nebelscheinwerfer neu ein und setzte das Ganze auf neu gezeichnete Aluräder. Leichter fällt die Identifizierung zum Beispiel an den neuen Außenfarben Juniperblau und Marlingrau, aber auch an der frischen Ausstattung GT Sport, die – wie der Name schon erahnen lässt – betont sportlich antritt.
Nicht viele, aber relevante Änderungen, ein Rezept, das man auch sonst anwandte: Dank neuer Frontkamera mit deutlich größerem Blickfeld konnten die Reaktionszeiten von nahezu allen Assistenten deutlich verkürzt werden, was vor allem bei der Verkehrszeichenerkennung und dem adaptiven Tempomaten durchaus wünschenswert ist und im Alltag spürbar souveränere Manöver des Systems ermöglicht. Und Features wie das 12,3-Zoll-Digitalcockpit oder der 10,5-Zoll-Touchscreen für das Infotainmentsystem sind typische Merkmale der aktuellen Toyota-Generation, genauso übrigens wie die Tatsache, dass Apple CarPlay zwar drahtlos funktioniert, nicht aber Android Auto.

Fair verteilt
Deutlich mehr indes hat Toyota bei der Technik nachgelegt. Einer der größten Kritikpunkte des Corolla waren seine zwar sparsamen, aber doch etwas lahmen Antriebe und hier gibt es für beide Hybridvarianten deutlich mehr Saft in die Frucht: Zwar blieben die Benziner mit 1,8 und 2,0 Liter Hubraum unverändert, das CVT-Getriebe verlor aber um gut 15 Prozent Gewicht und die Batterien weisen 14 Prozent Einsparung im Platzbedarf sowie 14 Prozent Steigerung bei der Leistung auf. Die E-Motoren erstarkten zudem um 18 beziehungsweise 16 PS. Heißt: Der Zweiliter kommt nun auf 196 PS, der 1800er – mit dem wir uns hier jetzt näher befassen werden – auf derer 140.
Um es kurz zu sagen: Der upgedatete Corolla hat nun endlich die Portion Power, die ihm immer schon gefehlt hat. Die 9,2 statt der bisherigen 10,9 Sekunden für den Paradesprint auf 100 km/h markieren hierbei noch den unwichtigsten Part. Generell fühlt sich der Antriebsstrang elastischer und souveräner an, wirkt nicht mehr so gequält und überlastet wie bisher. Vielmehr surft man nun entspannt auf der Elektrowelle, die weit weniger oft um Hilfe beim Benziner anklopft. Dazu kommt die spontane Leistungsabgabe, die gerade beim Ampelsprint manch fehlende Pferdestärke locker wett macht. Jedenfalls reichen die 18 Extrapferde dafür, keinen Gedanken mehr daran verschwenden zu müssen, ob die stärkere Variante vielleicht doch der schlauere Kauf gewesen wäre, zumal wir hier gleich von deutlich mehr Kohle sprechen.
Der größere Motor bedingt nämlich automatisch auch eine höhere Ausstattung: Active und Active Drive sind dem 1,8-Liter vorbehalten, die Topver- sionen GR Sport und Lounge hingegen kann nur mit dem 2,0-Liter kombiniert werden, weswegen die Preise für diesen auch erst bei stolzen 37.290 Euro starten.

Nie verkehrt
Die sechs Zentimeter mehr Radstand des Kombis im Vergleich zum Schrägheck bemerkt man aber nicht nur bei der Fahrdynamik, sondern auch bei der Geräumigkeit. Für ein Auto seiner Größe gibt es im Fond und Gepäckraum mehr als genug Bewegungsfreiheit, zumal das Ladeabteil dank des quadratischen Grundlayouts und der großen Heckklappenöffnung gut zu nutzen ist. Dass jüngere Mitbewerber ein paar Liter mehr verdauen, ist in Anbetracht der hohen Nutzbarkeit des Japaners wirklich vernachlässigbar. Und genau das spiegelt sein größtes Talent perfekt wider: die har- monische Reife. Andere mögen in einzelnen Disziplinen besser sein, doch in der Summe seiner Eigenschaften macht der Corolla einfach die wenigsten Fehler.
Für die gebotenen PS gibt es hervorragende Fahrleistungen, für die verlangte Kohle eine solide Ausstattung, für die Fahrzeuglänge sehr erwachsene Fahreigenschaften und für die gebotene Dynamik eine klassische Qualität. Nicht einmal beim Verbrauch können selbst eingefleischte Dieseljünger großartig motzen. Wir kamen ohne viel Anstrengung auf 4,9 Liter im beruflichen Pendlerschnitt. Wenn man es etwas gemütlicher angeht, kann man sogar schnell noch einmal einen halben Liter abziehen.
Kurz: Viel kann man mit dem TS nicht falsch machen und so gibt es nur wenige handfeste Kritikpunkte, die übrig bleiben. Vor allem das Infotainmentsystem. Sicher, der Bildschirm ist riesig. Doch die Grafiken wirken veraltet und vor allem das Kamerabild der Rückfahrkamera könnte deutlich besser aufgelöst sein.