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Ford Tourneo Custom: Ein ganz schön großer Luxus

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Ford Tourneo Custom: Ein ganz schön großer Luxus

Sechs Monate und knapp 25.000 Kilometer lang hat uns der neue Ford Tourneo Custom nun begleitet. Zeit, Bilanz zu ziehen und einen Blick auf die Stärken aber auch die Schwächen zu werfen.

Gleich zu Beginn des Dauertests nahm der Ford Tourneo Connect eine echte Marathonetappe unter die Räder. Vier oberösterreichische Maturanten unternahmen einen Roadtrip bis ans Nordkap, die ausführliche Story dazu finden Sie hier in der FLOTTE 09/2018. Der dreiwöchige Trip sorgte dafür, dass wir den achtsitzigen Bus mit bereits knapp 10.000 Kilometern auf dem Tacho übernommen haben. Wie auch seine Dauertestvorgänger VW Caravelle (2015) und Toyota Proace Verso (2017) erfreute sich auch der Ford rasch großer Beliebtheit. Erst recht, wo es sich dabei um die Langversion handelt, die nicht nur komfortablen Platz für maximal acht Personen, sondern auch einen riesigen Kofferraum bietet.

Platz ohne Ende

Der lange Radstand sorgt nicht nur für ein fürstliches Platzangebot, sondern ebenso für viel Komfort. Wie auch bei den Pkw- Modellen hat Ford einen gelungenen Fahrwerkkompromiss gefunden, sodass auch flott genommene Kurven kein Problem darstellen. Mit 170 PS aus zwei Liter Hubraum stand uns das stärkste Aggregat aus der Motorenpalette des Tourneo Custom zur Verfügung. Und das passt perfekt zur Pkw-Variante. Freilich kann Leistung bekanntlich nur durch noch mehr Leistung ersetzt werden, wir hatten aber nie das Gefühl, das Auto wäre untermotorisiert, im Gegenteil. In Verbindung mit dem 6-Gang-Automatikgetriebe ist für mehr als ausreichenden Vortrieb gesorgt, einzig eine Kickdown-Funktion wäre manchmal fein gewesen. Da direkt am Schalthebel mit dem Daumen ein manueller Schaltwechsel per Knopfdruck einleitbar ist, war das in Wahrheit auch kein Thema. Der Durchschnittsverbrauch pendelte sich bei 9,5 Litern ein, sparsame Naturen schafften eine Acht vor dem Komma, auf flotten Autobahnetappen konnten es auch schon mal über zehn Liter sein. Alles in allem aber tadellose Werte für ein Fahrzeug dieser Größenordnung und mit diesem Motor.

Kritikpunkt Klimaanlage

Während die meisten Einträge im Fahrtenbuch positiv waren, kam vor allem ein Kritikpunkt bei so gut wie allen Fahrern vor. Während es beim Vorfacelift-Modell zumindest eine kostengünstige, werksseitig angebotene Nachrüstlösung gab, muss der überarbeitete Tourneo Custom weiterhin ohne Klimaautomatik auskommen. So wird die Suche nach der richtigen Temperatur leider zum Geduldsspiel, permanentes Nachjustieren bleibt da nicht aus.

Damit der Ford Tourneo Custom in der gehobenen Liga der Busse mitspielen kann, bräuchte es auch mehr Ausstattungsfeatures. Dazu zählen etwa ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, elektrische Schiebetüren oder auch ein Head-up-Display, alles Dinge, die beim Mitbewerb angeboten werden. Viele Kunden wären wohl auch bereit, dafür Aufpreise zu zahlen, für Ford die Chance auf ein zusätzliches Körberlgeld. Und da wir schon beim Meckern sind: Wer auf höhere Anhängelasten - bis 2,1 Tonnen sind möglich - angewiesen ist, der muss leider auf die feine Automatik verzichten, hier sind maximal 1.050 Kilogramm möglich. Das war's dann aber auch schon mit der Kritik, die doppelt schade ist, weil die Basis über alle Zweifel erhaben ist.

Komfortabel und schick

Was man auch im Innenraum sieht. Die zweifarbig gehaltenen Ledersitze sehen nicht nur gut aus, sondern bieten auch wirklich guten Sitzkomfort. Und im Unterschied zu manchem Mitbewerber sind auch alle sechs Sitze in Reihe zwei und drei als Einzelsitze ausgeformt und mit jeder Menge Bein- und natürlich Kopffreiheit versehen, verschieben lassen sie sich zwar nicht, dafür kann die zweite Reihe aber auch gegen die Fahrtrichtung montiert werden. Der 2.000 Liter große Kofferraum kann mit wenigen Handgriffen auf stolze 2.800 Liter erweitert werden, mit Gasdruckfedern unterstützt, lassen sich die Sitze in Reihe drei um- und danach vorklappen. Auch der komplette Ausbau des Gestühls ist natürlich möglich, aufgrund des Gewichts sollte man das aber besser zu zweit machen.

Smartphone-Integration

Vorbildlich zeigt sich das Cockpit. An Ablagen mangelt es wahrlich nicht, diese finden sich unter einer Rollo neben dem Schalthebel ebenso wie in zwei großen, mit einer Klappe versehenen Fächern auf dem Armaturenbrett, eines davon sogar mit einem zusätzlichen USB-Anschluss versehen. Apropos USB, hier gibt es auch für die Passagiere mehrere davon, um etwa Handys zu laden. Und ein Anschluss befindet sich in der Mittelkonsole, hier lassen sich Android- und Apple-Smartphones mittels Android Auto und Apple Car-Play mit dem Fahrzeug verbinden. Dadurch lassen sich einige Apps wie etwa Spotify oder WhatsApp direkt über den Fahrzeug-Touchscreen aufrufen, zudem lässt sich Google Maps als Navi verwenden. Ein tadelloses Navigationssystem bietet auch Ford selbst an, das SYNC 3 System überzeugt mit hochauflösender Grafik und präzisem Touchscreen, zudem lassen sich viele Befehle auch via Sprachsteuerung umsetzen. Der blickgünstig angebrachte Monitor zeigt beim Einlegen des Rückwärtsganges auch das Bild der Rückfahrkamera, damit geht nicht nur das Einparken, sondern auch das Ankuppeln eines Hängers leichter von der Hand. Apropos leichter, der Totwinkelwarner hilft dabei, beim Spurwechsel keine anderen Fahrzeuge zu übersehen und ein Kollisionswarner gibt zunächst optische und akustische Warnsignale aus, werden die ignoriert, wird automatisch der Bremsvorgang eingeleitet.

Fair kalkuliert

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf die Preisliste. Der Ford Tourneo Custom Bus mit kurzem Radstand mit 105 PS TDCi und Ambiente-Ausstattung startet bei vorsteuerabzugsfähigen 41.340 Euro, unser - am anderen Ende der Range angesiedeltes - Testauto ist ab 55.390 Euro zu haben. Die meisten Annehmlichkeiten sind da schon inklusive, empfehlenswert ist das Titanium-X-Paket (u. a. Xenon, Rückfahrkamera, Lederausstattung) für 3.264 Euro oder der Totwinkel-Warner für 612 Euro. Mit dem neuen Tourneo Custom Bus in Topausstattung hat Ford fast zu den Premiumanbietern aufgeschlossen. Wenn die Ausstattungspatzer nicht wären, könnte er sich bereits jetzt als Alternative etablieren.

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