Schon (vorab) gefahren: Cupra Raval
4,05 Meter lang, tiefergelegt, verbreiterte Spur: Der Cupra Raval ist das erste Auto auf der neuen, kleinen Elektro-Plat...
Über 260 interessierte Besucherinnen und Besucher tummelten sich in der Stage 3 in Wien, in der die dritte Auflage des WERKSTATT-FORUMS über die Bühne ging. Auf dem Programm standen spannende Vorträge rund um Lack, Karosserie, Reifen, Reparatur und Co. Außerdem bot der interessante Ausstellerbereich den perfekten Platz zum Netzwerken mit Experten.
Zum Start des diesjährigen WERKSTATT-FORUMS betonte A&W-Geschäftsführer Stefan Binder im Gespräch mit Moderator Christian Clerici die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Werkstatt und Aftersales für die gesamte Kfz-Branche und die daher logische Konsequenz, eine entsprechende Plattform zu etablieren.
„Wir stehen vor großen Herausforderungen und wollen Kfz-Betriebe mit Expertise unterstützen“, wie A&W-Verlagsleiter Gerald Weiss erklärte. Genau diese Expertise vermittelten in weiterer Folge die Vortragenden des Vormittags:
Systeme für die vollautomatische digitale Fahrzeug-Zustandserfassung bieten vielerlei interessante Entwicklungsmöglichkeiten für Kfz-Betriebe, sagte Florian Andrä, Verkaufsleiter Investitionsgüter bei Würth. „Objektive Bewertung schafft Kundenvertrauen, und durch die Erkennung von bisher unerkannten Reparaturpotenzialen entsteht mehr Umsatz.“ Gleichzeitig würden die digitalen Tools die Mitarbeiter freispielen, um mehr auf den Kunden einzugehen.
In seinem Vortrag „Mut zur E-Mobilität – Ein Werkstatt-Impuls aus der Praxis“ stellte Michael Dittmar von Dittmar & Stachowiak Autodienst in Bochum (D) fest: „Ein kaputtes Auto ist ein gutes Auto!“ Auch wenn es elektrisch angetrieben ist.
Viele Werkstätten wollen Elektroautos am besten gar nicht angreifen, auch wenn ganz reguläre Dinge zu reparieren sind. Natürlich braucht es Schulungen und Equipment, aber auch bei Verbrennern gab es stets neue Technologien, mit denen man sich beschäftigen musste. „Die Invests sind überschaubar“ und „Menschenverstand ist immer wichtig“ sind zwei der Learnings aus Dittmar’s Vortrag.
Über Trends in der Karosseriereparatur referierte Helge Kiebach, Geschäftsführer Kraftfahrzeugtechnisches Institut (KTI). Er spannte den Bogen von der Karosserietechnik über künftige Instandsetzungstechniken bis zum Umgang mit verunfallten E-Autos. "Äußerlich leichte Schäden könnten schnell zu wirtschaftlichen Totalschäden führen", wie Kiebach betonte.
Wenn man so ein Fahrzeug annehme, müsse man sich als Betrieb fragen, ob es für das Fahrzeug Ersatzteile gebe, wie teuer diese seien und wie lange die Ersatzteil-Lieferzeiten seien. Nach Prüfung der Hersteller-Vorgaben könne man den Aufwand der Reparatur einschätzen und den Auftrag annehmen oder gegebenfalls wieder ablehnen.
Ein prominent besetztes Podium widmete sich Trends, Chancen und Herausforderungen im Lack- und Karosseriesegment. „Die Energiewende setzt auch wirtschaftliche Hebel in Bewegung“, betonte Daniel Kapeller, Country Sales Manager AkzoNobel Österreich. „Der Kunde will mehr Funktionen im Autoglas-Bereich“, verwies Christian Baum, Geschäftsführer Sekurit Service Deutschland und Zentraleuropa, auf mehr Technologien direkt in den Fahrzeugscheiben.
Für die Versicherungswirtschaft geht es um die Neubewertung von Risiken im Zuge neuer Fahrzeugtechnologien. Neben der Nachhaltigkeit sei die Branche aktuell mit spürbaren Reparaturkostensteigerungen, u.a. durch massiv gestiegene Ersatzteilpreise, konfrontiert, führte VVO-Kfz-Chefsachverständiger Alexander Bayer aus.
Einen Blick in die Lackiertechnik der Zukunft warf Blutech-Inhaber und -Geschäftsführer Roger Blum: Lackierroboter, von Blum gerne Cobot statt Robot genannt, würden auch künftig den Menschen nicht ersetzen, aber Mitarbeiter, die vielleicht nicht umfassend ausgebildet seien, bei Lackierarbeiten unter die Arme greifen.
„Fahrerassistenzsysteme sind ein zukunftsrelevantes Geschäftsfeld“, unterstrich Jens Kowald, Head of Sales Service Aumovio Aftermarket. Wichtig ist, dass sich die Werkstatt in diesem Bereich erfolgreich positioniert. Denn die dahinterstehende Technologie müsse gewartet und kalibriert werden, führte Kowald aus.
Es gehe neben fachgerechter Reparatur, der Empfehlung der Dokumentation und der Hinweispflicht gegenüber den Kunden vor allem um die Haftung bei unterlassener oder fehlerhafter Kalibrierung. „Der Selbstschrauber und der Hinterhof können ADAS-Arbeiten nicht“, verwies Kowald auf die Positionierung der Kfz-Betriebe für die Zukunft.
Im Impulsvortrag des VRÖ betonte Michael Peschek von Point-S, dass das Geschäft mit All-Season-Reifen in Österreich wegen des Gesetzgebers so schwach läuft: „Der durchschnittliche All-Season-Reifen hat heute um die 6,5 Millimeter. Wenn der Kunde vier neue Winterreifen kaufen möchte, und bei 4 Millimeter ist aber Schluss, haben wir dafür den Grund.“
Dafür gibt es in Österreich die höchste Dichte an Reifendepots, was große Potenziale bietet. Indes: „Mittlerweile werden die Räder immer größer, das heißt also, der Lagerplatz im Depot wächst von 16 auf 18 Zoll gleich um 20 Prozent. Für jeden fünften Kunden ist also kein Platz mehr.“
Im Zuge des Vortrags wurden auch die diesjährigen VRÖ-Awards vergeben:
VRÖ Award für Pkw-Reifen:
VRÖ Award für Lkw-Reifen:
Beim Podiumsgespräch mit Michael Peschek-Tomasi (VRÖ/point-S), Thomas Marxrieser (Fa. Marxrieser) und Günther Riepl (Dunlop) zeigte sich, wohn die Reise am Reifenmarkt hingeht. „Während vor 20 Jahren der 16-Zöller noch Standard war, reden wir heute von immer größeren Dimensionen mit Reifen die locker 35-40 Kilogramm haben. Ein Depot wird also immer wichtiger“, so Peschek-Tomasi. Für Thomas Marxrieser hat der Beruf des Reifenmonteurs auch kaum noch etwas mit dem zu tun, wie er vor 20 Jahren war: „Heute steht man vor anderen Herausforderungen im Umgang mit Reifen und entsprechend wichtig ist es auch, dass wir den Fachkräftemangel endlich in den Griff bekommen.“
Dabei helfen sollen u. A. auch erweiterte Tätigkeiten des Reifenspezialisten, der eben auch „einen Blick auf die Reifen aber auch auf die Bremse, die Achse usw. machen kann“. Denn so ergeben sich auch Zusatzerträge, erklärt Peschek-Tomasi: „Ein geschulter Reifenmonteur weiß, dass die Spur eines Autos nachjustiert gehört. Entsprechend kann das im Betrieb dem Kunden auch gezeigt werden und sorgt für zusätzliche Erträge.“
Für Reifenhersteller ist die Zeit allerdings auch nicht stehen geblieben, wie Günther Riepl, Geschäftsführer von Dunlop Österreich, skizziert: „Die Reifen werden größer und auch innovativer. Wir sind nicht mehr weit von Smart Tyres entfernt, die noch mehr Daten an das Fahrzeug und entsprechend auch an den Fahrer liefern.“ Hier sei vor allem die Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Händler gefragt, ist sich Riepl sicher, denn „So wie der Händler das Produkt braucht, brauchen wir auch einen Händler der das Produkt ans Auto bringt und dem Kunden ein positives Gefühl gibt.“
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