"Wir kommen in völlig neue Dimensionen"

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"Wir kommen in völlig neue Dimensionen"

Der Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft und die Automatisierung werden den Transport der Zukunft, ja der Mobilität generell beeinflussen. Visionär Frank M. Rinderknecht hat dafür nicht nur interessante Argumente, sondern auch das geeignete Fahrzeug parat.

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Nicht so sehr die Elektrifizierung, sondern die Automatisierung wird die Mobilitätslandschaft verändern. Und: Die zukünftigen Fahrzeuge werden keine in unserem Sinne herkömmlichen mehr sein", so die zentrale Aussage des Schweizer Visionärs Frank M. Rinderknecht, CEO von Rinspeed. Seit über 40 Jahren blickt Rinderknecht an der Spitze des Mobilitäts- Think-Tank Rinspeed ein wenig über den Tellerrand hinaus und versucht nicht nur, die Zukunft der Mobilität vorauszusagen, sondern auch "Undenkbares denkbar zu machen". Zahlreiche Prototypen wie der Rinspeed Squba, das erste sich auch unter Wasser fortbewegende Fahrzeug, oder der Rinspeed Oasis, ein agiles Auto mit integriertem Kleingarten hinter der Windschutzscheibe, zeugen von den kreativen und innovativen Konzepten und weit gedachten und nachhaltigen Ideen des Schweizer Erfinders.

Die Welt im Wandel

Neben der Automatisierung hebt Rinderknecht den generellen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft am Beispiel des diesjährigen World Economic Forums vor. "Hier war kein Präsident der große Star, sondern ein 16-jähriges Mädchen namens Greta Thunberg. Wir kommen in völlig neue Dimensionen der Einflussnahme und somit auch der Players. Wir werden also auch in der Mobilität ein neues Gefüge kennenlernen."

Rinderknecht tippt vor allem darauf, dass Big Players wie Amazon oder Alibaba in die Mobilität drängen und somit die bekannten Strukturen massiv verändern werden, wenn es auch "unheimlich anspruchsvoll ist, ein Auto allein in der Weltgeschichte umherfahren zu lassen, wie sich an der diesbezüglich geschlossenen Kooperation zwischen BMW und Mercedes ablesen lässt."

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Als Antwort auf viele anstehende Probleme und Tatsachen wie Verkehrsstau, Effizienzsteigerung oder zunehmende Digitalisierung hatte Rinderknecht den Rinspeed MicroSNAP im Gepäck: eine Weiterentwicklung oder vielmehr Verkleinerung des 2018 vorgestellten Snap, bei dem Fahrwerk ("Skateboards") und Aufbauten ("Pods") jederzeit austauschbar sind.

Der MicroSNAP ist Rinspeeds potenzielle Lösung für viele zukünftige Realitäten, zum Beispiel den steigenden Online-Handel: "Früher haben wir geduldig auf die Postsendung gewartet, heute muss das Druckerkabel am nächsten Tag geliefert werden, in Zukunft innerhalb von zwei Stunden. Dafür braucht man nicht den großen Transporter, da genügen kleine Fahrzeuge."

Weitere große und nachhaltig interessante Argumente für modulare Fahrzeuge à la MicroSNAP ist die sich verkürzende Lebensspanne von Autos. Aktuell beträgt das Auto-Durchschnittsalter in Österreich 9,2 Jahre. Vollautonome Level-5-Fahrzeuge bestehen jedoch zum überwiegenden Teil aus Elektronik, Sensorik,Algorithmen , die nach gewisser Zeit ein Update benötigen. Hier ist es wesentlich kostengünstiger, wenn nur ein Teil des Fahrzeugs, also der Unterbau, intelligent, lang haltbar und upzugraden ist.

Der Aufbau hingegen muss nicht intelligent sein, sondern soll komfortabel und praktisch sein. Und selbstverständlich kompatibel und leicht austauschbar mit dem Fahrwerk.

Und wie verdient man damit Geld?

Rinderknecht sieht in der modularen Mobilität und durch den Einstieg neuer Industrien viele neue Geschäftsszenarien. Autohersteller könnten die Herstellung der Skateboards verantworten, andere Branchen wie Gesundheit, Sport, Unterhaltung oder Kosmetik die Produktion der Pods. "Da will jemand zum Beispiel einen Kuschelpod für den Hochzeitstag mieten oder anbieten, dazu ein Skateboard von Porsche!"

Darüber hinaus ist für Rinderknecht auch eine Art "kostenlose Mobilität" denkbar: "Zum Beispiel wird Ihnen ein Restaurant, wenn Sie dort über 100 Euro konsumieren, die Hin-und Rückfahrt von zu Hause zahlen. Oder Amazon stellt Ihnen einen Amazongebrandeten Pod zur Verfügung, solang Sie Prime Member sind und monatlich für eine gewisse Summe konsumieren."

Wann ist es soweit?

Bleibt bloß noch die Frage, wann Level 5 eintreten wird. Rinderknecht: "Auf dem Land wird man sicher noch länger herkömmlich unterwegs sein. Im urbanen Bereich wird sich Level 5 Schritt für Schritt durchsetzen. Auf gewissen Strecken, zu gewissen Bedingungen Uber-Konkurrent Lyft will beispielsweise nächstes Jahr in Las Vegas vollautonom unterwegs sein. Es wird also noch eine lange Zeit Mischverkehr geben. Bis Level 5 völlig greift, dürfte es wohl 2030 werden."

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Drei Änderungen sollen für aufschlussreichere Ergebnisse sorgen: ein neues Unfallszenario, ein überarbeiteter Dummy und höhere Anforderungen. Die zwei ersten, getesteten Autos setzen dabei gleich mit je fünf Sternen Benchmarks.

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