Test: Kia EV4
Die elektrische Kompaktklasse ist dieser Tage nicht gerade heiß umfehdet, umso willkommener Kias neuer, interessant geze...
Die Beschneidung des Le Mans zu einem fragwürdigen Menü aus deutschen und koreanischen Zutaten steht sinnbildlich für den Niedergang von Pontiac an sich. Im Rahmen der Vereinheitlichung bleibt oft zu viel auf der Strecke.
Der Le Mans, das war einmal eine solide Limousine für echte Amerikaner mit dem Sinn nach Besonderem. Pontiac war schließlich nicht Chevrolet, sondern anspruchsvoller, sportlicher, hochwertiger. No na fuhr Gene Hackman in French Connection einen Le Mans, er hatte es ja durchaus eilig. Und generell war die Marke im Konzern immer so etwas wie die edle Perle mit feineren Zutaten als all die Chevys. Das ist natürlich cool. Preiswerter für GM ist es aber natürlich, wenn man überall die gleichen Komponenten einbaut. Oder gleich ein Auto unter mehreren Markennamen baut. Womit der Untergang des Le Mans losgehen konnte.
Während in den 1960ern und 1970ern Le Mans (gerne schrieb man Le und Mans auch zusammen) als die Topmodelle des Tempest und später als hochwertige Baureihe an sich galten, musste man sich 1978 als Derivat einer deutlich kleineren Baureihe von GM zufriedengeben. Man befand sich in der wohl ödesten Ära amerikanischen Fahrzeugbaus, denn diese Modellreihe war wesentlich groß, noch cool, noch hübsch noch spannend, und die maximal 140 PS aus fünf Litern Hubraum machten wenig Lust, unnötig viel für so ein Auto auszugeben. Die Kundschaft griff daher lieber zu Chevy Malibu oder Oldsmobile Cutlass – gleiche Technik, etwas versöhnlicherer Preis – sodass man 1982 den Le Mans sogar vollständig fallen ließ. Aber 1988, als es darum ging, ein kleineres, leichteres und leistbareres Modell für Pontiac zu etablieren, da war es nur mehr als Recht, diesen Kultnamen wieder einzuführen. Schließlich sollte das Image des neuen Modells gleich einmal ein Knaller sein. Denn was sich die Granden in Detroit da überlegten, hatte bis auf den Namen nicht mehr wirklich viel mit ehemaligen „Luh manz“ gemeinsam.
So entschied man sich als Basis für den Opel Kadett E, der 1984 das Licht der Welt erblickte. Den aus Deutschland zu importieren, wäre aber viel zu aufwändig gewesen, weswegen man mit Daewoo eine Kooperation einging und gemeinsam in Korea eine Fabrik aus dem Boden stampfte. Dort sollte der neue Le Mans vom Band laufen, der dann auch als Daewoo vermarktet werden und sogar den Weg zurück nach Europa finden sollte, als es den Kadett schon lange nicht mehr gab. So ganz klar ist nicht, warum man Pontiac für Kanada keine großen Chancen zurechnete, sodass man nur für diesen Markt den Namen auf Passport Optima änderte, etwas später dann auf Asüna. Da es an Karosserievarianten ja eine große Auswahl gab, wählte man die zwei, die für Nordamerika wohl die typischsten waren: das dreitürige Schrägheck – Beiname Aerocoupé – und die viertürige Limousine, schlicht SE getauft. Warum man auf den Fünftürer oder gar den Kombi verzichtete – man weiß es nicht. Schließlich bewegte man sich nicht nur optisch und von den Abmessungen her eh schon knapp an der Wahrnehmungsgrenze in den USA, ganz zu vergessen von der Technik. Da kamen natürlich nur Vierzylinder zum Einsatz, weil etwas anderes auch garnicht passen würde.
Und je weiter das Projekt voran schritt, desto unsicherer dürfte man geworden sein, ob man sich hier auf einem richtigen Weg befand. Germanische Technik, gefertigt in Korea, das ist nicht gerade das, was der US-Kunde mit einem Pontiac Le Mans verbindet. Da es für einen Rückzieher nun aber schon zu spät war, entschied man sich für eine typische Vorgehensweise, die fast immer Wirkung zeigte: Man stopfte das Prospekt voll mit amerikanischen Symbolen der Freiheit und Unabhängigkeit. Auf jeder Seite steckten Stars and Stripes und Weißkopfseeadler und legendäre Landmarks. Wer amerikanische Heimatfilme wie Top Gun kennt, der weiß, dass Image und Patriotismus alles ist. Und technisch hochtrabend und fortgeschritten war die Konkurrenz mit ihren uralten Leiterrahmen und noch älteren V8-Motoren ja auch nicht, oder? Ganz im Gegenteil. Im Endeffekt hätte es aber auch nichts genutzt, wenn man die Geschwindigkeit nicht in Meilen per Hour sondern in Cheeseburger pro Weißkopfseeadler angegeben hätte, denn als der Le Mans 1988 endlich den Markt enterte, war nicht nur die Technik schon längst rückständig (in Deutschland lief der E Kadett schließlich schon vier Jahre), die Qualität der gelieferten Exemplare ließ sogar die Amis gehörig die Nase rümpfen. So hätte man sich das nicht vorgestellt.
Halbherzige Versuche mit sportlichen Modellen, die aber nicht sportlich waren, brachten aber genau gar nichts. Auch, dass man den Motor aus dem Sunbird einbaute, denn der war auch nur ein Vierzylinder. 1993 zog GM also gleich mehrere Stecker. Nicht nur ging die Marke Asüna den Bach runter. Auch sollte es nie mehr einen Wagen unter dem Namen Le Mans geben. Und streng genommen, hätte dem Namen nach diesem Desaster auch nichts besseres passieren können.
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