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Zu Besuch bei BelAZ

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Hammer

… Lastkraftwagen der Welt erlebt. Denn wer glaubt, dass eine Tonne Nutzlast beeindruckend ist, könnte Schnappatmung bekommen, da bei einem BelAZ ein Reifen das Sechsfache wiegt.

Es ist wie immer alles sehr relativ im Leben. Davon zeugte ein Werksbesuch bei BelAZ in der Nähe von Minsk, dem Hersteller der weltgrößten Muldenkipper. Schon am Weg zur ersten Werkshalle kreuzte ein kleineres Modell unseren Weg, mit Rädern so hoch wie ein ausgewachsener Kleinbus. Nach einer kurzen Museums­führung samt patriotischer Geschichtsstunde ging es zunächst in die Werkshallen, wobei man dort ein wenig an Gullivers Reisen dachte – so riesig, wie dort alles war. 

Auf dem Weg zu Gigantismus
Wer nach den Gewichtsangaben eines Wohnblocks etwas Zeit zum Durchatmen braucht, dem sei eine kurze Aufklärung gegönnt: BelAZ steht für „Belarussisches Autowerk“, ist seit 1948 im Geschäft und hat sich auf jede Art von Schwergewichten im Transportwesen spezialisiert. Großmuldenkipper, Radlader, Flugzeugschlepper, eigentlich alles, was abseits normaler Straßen benötigt wird, kommt aus den Hallen in Schodsina mit überraschendem Output: An die 2.000 Fahrzeuge werden jährlich produziert, was gut 30 Prozent des Weltmarkts ausmacht. Gerade von den Muldenkippern, die selbst in ihrer kleinsten Form eher nur etwas für Minenbetreiber sind und nichts für die heimische Kiesgrube, gibt es zahlreiche Versionen mit Nutzlasten von 30 über 45, 60, 90, 130, 160, 240, 360 bis hin zu 450 Tonnen.  Topmodell ist der 75711. 20 Meter Länge, 10 Meter Breite und 9 Meter Höhe. Unterhalb steht man aufrecht und beladen, samt Eigengewicht, wiegt der Gigant (so nennen sie ihn auch intern) über 800 Tonnen. Bis zu zwei Mal 2.300 PS aus mächtigen Turbodieseln sind hier also pure Notwendigkeit. Die beiden Motoren treiben dabei Generatoren an, die die vier E-Motoren für die Naben befeuern. Systemleistung? An die 11.000 PS. Verbrauch? 320 Liter, pro Betriebsstunde. Kurz: Wir reden hier trotz grobschlächtigen Maschinenbaus von einem äußerst sensiblen Geschäft – bei Stückpreisen von locker einmal 12 Millionen US-Dollar möchte man schließlich genau das Modell haben, das für den persönlichen Einsatzzweck perfekt passt. 

Einsatz weltweit
Die größten Abnehmer sind naturgemäß Russland und China, aber auch in Afrika und Australien kommen die Muldenkipper zum Einsatz. Alle Modelle werden im Werk gebaut, getestet und dann wieder auseinandergebaut, in Teilen verschickt und am Bestimmungsort zusammengesetzt. Lego Technic für Erwachsene sozusagen. Auf der kleinen Teststrecke lud der 90-Tonner zur Testfahrt. Das Cockpit: simpel und rustikal, überraschend konventionell. Knöpfe und Schalter, wenig Elektronik. Aber mit Kamera vor und hinter dem Fahrzeug.  

Alternative Verwendung möglich
Kurz ist man geneigt, dem Auto auch andere Einsatzgebiete zu wünschen. Etwa als Familienauto. Man hätte endlich genügend Platz fürs Gepäck, auch die Kinder könnten sicher auf der Mulde spielen. Oder als Reisemobil, kein Warten mehr an Grenzen. Kurz hupen und mit einem Sticker „Bitte Platz machen, wir kommen in Frieden“ versehen … Na ja, man wird ja noch träumen dürfen … 

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