Peugeot Partner Dangel 4WD im Test
In Österreich ist Allradantrieb aufgrund der Topografie begehrt, auch bei Nutzfahrzeugen. Der französische Spezialist Da...
Während die Politik auf der einen Seite den Tankrabatt bewirbt und auf der anderen Seite die Treibstoffknappheit vorhersagt, gibt es Unternehmen, die sich wie gallische Dörfer dem nicht mehr unterwerfen wollen. Schachinger Logistik und die Post machen es vor und dienen als Beispiele für die Machbarkeit.
Wie heißt es immer so schön: Alle sagen immer, dass das nicht geht. Dann kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht. Eines vorweg, keines dieser Projekte ist einfach so gemacht. Da stecken jahrelange Planung, viele kleine Testreihen und ganz viel Mut zum Scheitern dahinter. Die Belohnung kommt jedoch schon sehr schnell. Denn wer sich hinsetzt und mit den Zahlen weit ab von Emotionen jongliert, merkt, dass es funktionieren kann. Ganz plötzlich öffnen sich ganz neue Möglichkeiten, die vorher nie da waren und einen ungeahnten Wettbewerbsvorteil mit sich bringen.
Die Protagonisten
Schachinger Logistik mit 17 Standorten und Unternehmenssitz in Oberösterreich. Das Unternehmen ist schon über 80 Jahre alt und hat sich seit den 1960er-Jahren Innovation auf die Fahne geschrieben. Schachinger lässt über 600 Lkw für sich fahren und ist eines dieser Unternehmen, das aktiv nach Verbesserungspotenzial sucht. Das gilt sowohl für sämtliche Business-Bereiche als auch für alle sozialen Gesichtspunkte. Das Unternehmen ist ständig in einem Reflexionsprozess und kann so Innovationen angehen, die noch in einer Early-Adopter-Phase sind. Schachinger steht für die gelösten Transportherausforderungen auf langen Wegen.
Die Österreichische Post braucht eigentlich keine Vorstellung, kaum ein anderes Unternehmen hat einen so hohen Bekanntheitsgrad. Umso wichtiger, dauerhaft am Image zu arbeiten und stets eine Vorreiterrolle einzunehmen. So kommt es, dass die Post bereits seit 2009 an der Elektrifizierung des „Letzte-Meile“-Fuhrparks arbeitet. Wenn auch die Auswahl anfangs noch etwas dünn war, konnte 2011 damit begonnen werden. Das Unternehmen mit dem gelben Horn hat zwar auch einen Fuhrpark in der Fernlogistik, steht in dieser Beobachtung jedoch für die Letzte-Meile-Logistik.
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Einsparungspotenzial auf einen Blick |
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Etwa 600 Lkw fahren für die Firma Schachinger. Jeder ist durchschnittlich 100.000 Kilometer pro Jahr unterwegs. Das sind in Summe etwa 20 Millionen Liter Diesel im Jahr. Der Liter Diesel kostet aktuell zwischen 1,50 und 1,80 Euro netto. Dazu kommen bei einem Euro-6-Diesel mit 5 Achsen 57,24 Cent Streckenmaut pro Kilometer. Bei etwa 2/3 Autobahnnutzung landet man in Summe bei etwa 61 Mio. Euro netto. Dem stehen 25 Cent pro kWh Gestehungskosten bei Eigenstrom gegenüber, 39 Cent pro kWh bei Stromzukauf und 11,89 Cent pro Kilometer Streckenmaut (bei 5 Achsen). Die THG-Gutschrift ist aktuell bei 9 Cent pro kWh. Ein E-Lkw verbraucht im Schnitt 1 kWh/km. In Summe also 15 bis 16 (10 % Fremdstrom-Anteil) Mio. netto auf der Kostenseite und 8,1 Millionen auf der Gutschriftseite. |
Aller Anfang ist schwer
Der Prozess, der dahintersteht, solche Mammutprojekte umzusetzen und die Entscheidung zu treffen, sie überhaupt erst anzugehen, ist sehr lang. Das macht man nicht einfach so und schon gar nicht leichtfertig. Da werden Angebote eingeholt, mit verschiedensten Beratern gesprochen und sehr viel gerechnet. Abgesehen davon, dass alleine dieser Prozess Geld, Energie und Manpower kostet, ist auch die endgültige Entscheidung eine Verpflichtung. Bis solche Projekte vollständig umgesetzt sind, dauert es Jahre. In dieser Zeit unterliegt ein Unternehmen auch ganz normalen Schwankungen. Hier ist es essenziell, dass man an der Umsetzung festhält und nur wenn gravierende Technologiesprünge stattfinden, das Projekt technisch nach aktuellen Kriterien anpasst. Denn Planungssicherheit kann den Businesscase zum Erfolg werden lassen.
Roadmap to Zero
Schachinger Logistik hat ihre Klimastrategie „Roadmap to Zero“ unter ihrem Energie- und Mobilitätsbeauftragten Nikolaus Skarabela 2021 gestartet. Da das Unternehmen großen Wert auf Nachhaltigkeit legt und seinen Einfluss auf die Reduktion von CO2-Emissionen erkannt hat, wurde beschlossen, zu handeln. In der Logistik fällt der größte Anteil am CO2-Fußabdruck auf den Fuhrpark, also ist dort auch der größte Hebel versteckt. Dass es am Ende noch eine immense Kostenersparnis mit sich bringt und somit einen Wettbewerbsvorteil, ist ein angenehmer und gewollter Nebeneffekt. Mit dem Startschuss wurden also die ersten elektrischen Fahrzeuge angeschafft, darunter 15 E-Lkw und die erste Handvoll Pkw. Seitdem werden pro Jahr etwa 6 neue E-Pkw und 7 neue E-Liefervans angeschafft. Bei den Lkw sind es mittlerweile 20 Stück. Hier hat sich allerdings die größte Überraschung abgezeichnet. Anfangs waren Fahrer noch skeptisch und deshalb wurde beschlossen, ab 2032 keine neuen Verbrenner mehr anzuschaffen. Das positive Feedback der Fahrer und aller Involvierten hat allerdings dafür gesorgt, dass einerseits schneller als geplant schon weitere E-Lkw bestellt wurden und andererseits jetzt schon beschlossen wurde, keine neuen Diesel-Lkw mehr anzuschaffen.
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Schachinger Standort Hörsching in Fakten |
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PV-Anlage: |
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Ladeinfrastruktur: |
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Batteriespeicher: |
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Strommanagement: |
Von Kostenstelle zu Businesscase
Beim Hauptstandort in Oberösterreich fahren täglich zwischen 250 und 300 Lkw, 300 Transporter und 300 bis 400 Pkw ein und aus. Wenn alle Fahrzeuge elektrisch werden und jeder die Verweildauer als Ladepause nutzen möchte, braucht es Strom. Zusammen mit dem Unternehmen Powerlink wurden Lastsimulationen für die Jahre 2026 bis 2030 durchgeführt. Diese dienten als Grundlage für die Anschaffung der Photovoltaikanlage mit aktuell 8,6 Megawatt (MW) Spitzenleistung. Jedes Jahr kommen laut Plan weitere Megawatt hinzu.
Da die Sonne in unseren Breitengraden nachts nie scheint und die PV somit nicht genug Strom für den nächtlichen Bedarf erzeugt, wurden 12 Container mit jeweils 5 MWh Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) in das System eingebunden. Über 6 Trafo-Stationen können nun mit einem intelligenten Lastmanagement 30 MW Leistung abgerufen werden. Der Anschluss am Netz wird in diesem Szenario fast ausschließlich für den Regelenergiemarkt genutzt. So ist es theoretisch möglich, dass sich die Investitionen selbst refinanzieren. In jedem Fall aber amortisieren sich die Kosten schon nach sehr kurzer Zeit, gerade bei den aktuellen Dieselpreisen.
Grünes Graz
Das bereits 2021 abgeschlossene Projekt für die CO2-neutrale Zustellung der Post in Graz war der Startschuss für die Dekarbonisierungs-Kampagne des Zustellunternehmens. Das Ziel des Projekts ist die große Netto-Null im Jahr 2040. In Graz wurde dafür gleich ein komplett neues Zustelllager errichtet und ganz neue Methoden eingeführt. Die Grazer Innenstadt hat den „City-Hub“ bekommen, aus dem heraus die Paketzustellung per E-Hubwagen passiert. Das entlastet den Verkehr im Zentrum und spart dazu auch noch sehr viel Zeit. Die beiden großen Logistikzentren am Hauptbahnhof und in Kalsdorf wurden mit in Summe 135 E-Autos, 15 E-Mopeds und 52 E-Bikes ausgerüstet und bekamen die notwendige Ladeinfrastruktur. Hier konnte über die Wahl der idealen Ladestationen dafür gesorgt werden, dass alle Fahrzeuge immer dann einsatzbereit sind, wenn sie benötigt werden. Der Strom dafür wurde auch damals schon aus den hauseigenen PV-Anlagen bezogen. Diese wurden mit der Zeit noch deutlich ausgebaut. Mit Ende 2025 konnte die Post insgesamt auf eine 20-MWp-Photovoltaikanlage (peak = Spitzenleistung) zurückgreifen. Das österreichweite Projekt hat bis dahin fast 6.400 Elektroautos eingeflottet und konnte gut 60 % aller Zustellungen CO2-neutral durchführen. Ganz aktuell hat die Post weitere 600 Fiat E-Scudo geordert und geht so konsequent den Weg weiter, der 2009 begann. „Genau das ist der Schlüssel zum Erfolg!“, so Paul Janacek, ehemaliger Projektverantwortlicher und Fuhrparkmanager bei der Post.
Andere Visionäre
Das Thema Depotladen sehen auch andere Unternehmen als die logische Konsequenz der Elektrifizierung von Speditionsflotten. So hat auch die Braucommune in Freistadt ein Leuchtturmprojekt gestartet, dass die Lkw über Nacht wieder einsatzbereit macht. Deren Flotte ist zwischen 6:00 und 18:00 Uhr unterwegs und steht somit etwa 12 Stunden im Depot. Das Depot ist mit einem intelligenten Lastmanagement der Linzer Firma Keba ausgestattet und bietet für die Flotte eine durchschnittliche DC-Ladeleistung von 40 kW.
In den folgenden Jahren werden solche und ähnliche Projekte mehr und mehr dafür sorgen, dass sich die Transportbranche stärker verändert als jede andere. Aus einem Geschäftsmodell mit einer einstelligen Marge wird aufgrund der Elektrifizierung plötzlich eine sehr lukrative Opportunität mit einem diversifizierten Portfolio. Eine sehr spannende Zeit für visionäre Unternehmen.
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