Test: Jeep Compass e-Hybrid – 3 Töpfe für ein Halleluja
Ein Jeep mit nur drei Zylindern, darf man das? Diese Frage muss sich jeder Käufer der Marke mit den sieben Slots nun ste...
Es gibt nur wenige Elektroautos, die einem so schnell ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wie der neue Renault Twingo. Eine Eigenschaft, die er mit seinen Urahnen von vor 30 Jahren teilt. Und trotz der großen Unterschiede gibt es da noch mehr Similaritäten, die einem erst bei einer Gegenüberstellung bewusst werden.
Ein wenig bedrohlich wirkte die Idylle schon. Autowrack auf Autowrack, in friedlichem Einklang mit der Natur, die immer mehr die Überhand gewinnt, das hat schon seinen Reiz. Aber nicht, wenn man mit einem 30 Jahre alten Auto vor Ort ist und damit auch wieder wegwill. Doch dass ein Twingo der ersten Generation einmal beim Josef Metzker in Vösendorf landet, kann man eher ausschließen. Kult schweißt zusammen, auch wenn alte Renaults gerne mal rosten. Für ein Stelldichein mit dem brandneuen Exemplar, das dem Original wirklich sehr erstaunlich ähnlich kommt, kann der wohl romantischste Schrottplatz des Landes durchaus als neutraler Boden bezeichnet werden. Wir dürfen also vorstellen: einmal Twingo von 1995, 54 PS, schon mit Alufelgen, Faltdach und Schwellern aus der Renault-Boutique. Dann einmal Twingo von 2001, bereits technisch aufgefrischt. Und die Reinkarnation: vollelektrisch, 82 PS stark, dem Urahn wie aus dem Gesicht geschnitten.
>>> Weiterlesen: Helden auf Rädern Renault Fuego
Baguette kokett
Was war das für eine Idee damals. 1993 brach der Twingo mit allen Konventionen des Autobaus. Sportlichkeit war gestern. Es geht um Cleverness, Coolness, gewitzte Raumausnutzung gepaart mit herzlichen Ideen. Fröhlichkeit war Konzept, die Atmosphäre vogelfrei, sympathische Einfachheit das Gebot. Das kam an, denn er zeigte, wie wenig nötig war, um auf vier Rädern glücklich zu sein. Wobei das Konzept zur Lancierung schon 13 Jahre alt war. ECO 2000 nannte die französische Regierung ein Programm zur Erforschung eines umweltfreundlichen Wagens für das neue Jahrtausend. Renault gab man dafür einige Millionen und bereits die ersten Studien trugen die kultigen Grundzüge. 1988 verlor Frankreich die Lust, Renault machte alleine weiter und entwickelte aus diesem Projekt schlussendlich den Twingo, dessen Name eine ebenso wilde Mixtur ist aus „Twist“, „Swing“ und „Tango.“
>>> Weiterlesen: Helden auf Rädern Renault Torino
Roquefort Files
Dass der Name erhalten blieb, das Konzept in den nächsten Generationen aber immer mehr vom Original abwich, wollen wir Renault jetzt nicht vorhalten, denn die vierte Auflage bessert all diese Patzereien konsequent wieder aus. In Rekordzeit entwickelt, kennt man zahlreiche Bediendetails aus dem R5, wobei man viel Wert auf einen eigenständigen Charakter gelegt hat. Natürlich wuchs der Kleine und bietet mit 3,80 Metern Länge ein wenig mehr Bewegungsfreiheit. 60 kW Leistung sind heutzutage alles andere als übertrieben viel, aber wir reden hier ja von einem echten Leichtgewicht: Keine 1.300 Kilo bringt Twingo 4 auf die Waage, was für ein E-Mobil erstaunlich ist – das Akkugewicht abgezogen, kommt man an die 890 Kilo des Originals überraschend nahe heran.
Das Rezept, wie Retro funktioniert und wie nicht, dürfte Renault also mit dem ganz großen Löffel gelöffelt haben. Es geht hier keineswegs um das Nachbauen eines Vehikels. Eher um den Transfer einer Idee in die Neuzeit. Unterschiedlicher könnten Autos einerseits kaum sein. Und dennoch sind Twingo alt und Twingo neu vom Wesen Blutsbrüder, stellen sie doch jeweils zu ihrer Zeit eine schöne Form eines einfachen Autos dar. Alles, was man braucht. Nichts, was unnötig wäre. Mehr Mobilität benötigt keiner, und da unsere Ansprüche in 30 Jahren natürlich gewachsen sind, musste auch der Twingo ein wenig dazulernen. So wie beim rotpinken Exemplar, ganz ohne Servo oder Klima, würde das heute nicht mehr gehen. Ganz zu schweigen von den psychedelischen Sitzbezügen. Trotzdem fühlt man sich im Verkehr nicht verloren. Der gstangelte Vierzylinder arbeitet stoisch, lässt sich schaltfaul fahren und treibt einen ausreichend schnell durch die Gegend. Der gelbe kommt mit mehr als 60 PS und 16 Ventilen, Halbautomatik und Servolenkung heben ihn schon auf ein anderes Level der Nutzbarkeit, wobei Puristen hier schon auf die Barrikaden gehen und hie wie da es eigentlich viel wichtiger ist, dass das große Faltdach schnell und leicht aufgeht. Und auch im brandneuen Twingo, der natürlich viel schneller und komfortabler ist, hat man nur die Dinge drin, auf die es ankommt. Sogar noch einen Zündschlüssel gibt es, die Rückfahrkamera muss auch extra bezahlt werden, aber es geht auch ohne all den Schnickschnack.
>>> Weiterlesen: Helden auf Rädern Renault Avantime
Tour de Raunz
Natürlich kann die pinke Retro-Brille nicht alles ausblenden. Der Fahrkomfort ist bei den alten Twingis kaum bis wenig vorhanden, der Kofferraum schnell überfordert und dass die Sitzposition ein wenig an einen Rasentraktor erinnert, muss man einfach wollen. Hier leistet sich die Neuauflage keinen Patzer, womit eines klar ist: Der Original ist cool. Aber nur, wenn man nicht täglich damit fahren muss. Wenn wir es uns also aussuchen könnten: Den neuen Twingo bitte für den Alltag. Und einen alten für das Wochenende. Nur Monsieur Metzker geht heute leer aus.
Letzte Meldungen
Mehr lesen >>Aktuelle Fahrzeugtests
Mehr lesen >>
Kommende Veranstaltungen
© 2026 A&W Verlag GmbH All Rights Reserved Developed by itMedia