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Ein Job erfindet sich neu

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Energiemanagement, ESG-Reporting, KI und bidirektionales Laden transformieren das Berufsbild des Fuhrparkmanagers zum ganzheitlichen Mobilitätsmanager. Bei der Podiumsdiskussion machten Christiane Sonja Zulu (SMC Austria), Melanie Schmahl (BBM Bundesverband Betriebliche Mobilität, Deutschland), Anita Somos (Österreichische Post) und Kurt Leonhartsberger (V2G Alliance Austria) deutlich, wohin die Reise geht.

Der Fuhrpark bleibt der Kern, aber er ist längst nicht mehr alles. Der Job des reinen Flottenmanagers entwickelt sich durch ESG, V2G, KI & Co. hin zum nachhaltigen Mobilitätsmanagement. Darin sind sich die vier Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Christiane Sonja Zulu (SMC Austria), Melanie Schmahl (BBM Bundesverband Betriebliche Mobilität, Deutschland), Anita Somos (Österreichische Post) und Kurt Leonhartsberger (V2G Alliance Austria) einig. Zulu, seit 16 Jahren bei SMC Austria, beschreibt die Veränderung in dieser Zeit als „wirklich enormen Weg“. Was früher vor allem Einkauf war, sind heute abteilungsübergreifende, komplexe Prozesse mit einer Strategie, die permanent evaluiert und angepasst werden müsse. Dafür sind künftig neben technischem Know-how verstärkt Skills u. a. in den Bereichen Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Datenmanagement notwendig. Einen wichtigen Teil dieses Wandels machen Themen wie ESG-Reporting oder bidirektionales Laden aus.

Gestatten, mein Name ist ESG

Kein Thema hat das Fuhrparkmanagement in den letzten Jahren stärker unter Druck gesetzt als die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Anita Somos kennt die Realität aus erster Hand: „Fast 50 Prozent der Unternehmen haben keine Ahnung, was ESG-Reporting ist, geschweige denn, wie es zu handhaben ist.“ Dabei ist die gesetzliche Lage längst klar und große Unternehmen (ab 1.000 Mitarbeitenden oder 450 Millionen Euro Nettoumsatz) sind seit 2024 berichtspflichtig. Für einen gründlich aufbereiteten ESG-Bericht mit belastbaren Daten, nachvollziehbaren Prozessen und externer Wirtschaftsprüfung brauche ein Unternehmen rund zwei Jahre Zeit, so Somos. Wer jedoch glaubt, ESG-Reporting sei nur die Aufgabe großer Konzerne, irrt. Zwar müssen kleinere Unternehmen aktuell noch nicht reporten, doch Scope 3 sorgt für indirekten Zugzwang. Im Rahmen der Wertschöpfungslieferkette sind berichtspflichtige Großunternehmen verpflichtet, Nachhaltigkeitsnachweise ihrer Lieferanten und Subunternehmer zu liefern. Das bedeutet also auch für kleine Dienstleister: Wer für große Auftraggeber tätig ist, wird früher oder später Emissionsdaten und Nachhaltigkeitsdokumentationen liefern müssen. Melanie Schmahl ergänzt aus Verbandsperspektive: Während große Unternehmen das Thema ESG bereits am Schirm haben, herrscht bei kleinen und mittelständischen Betrieben noch viel Unsicherheit. „Es ist wichtig, muss aber auch umsetzbar und praktisch handhabbar sein.“

Bidirektionales Laden verändert das Energiedenken

Bidirektionales Laden ist bislang ebenfalls in vielen Fuhrparks noch nicht angekommen. Vehicle-to-Grid (V2G) und Vehicle-to- Building (V2B) ermöglichen es, Energie aus Elektrofahrzeugen zurück ins Netz oder ins Gebäude zu speisen. „Wir reden hier nicht über eine Technologie in fünf Jahren“, so Kurt Leonhartsberger. „Wir haben heute Fahrzeuge, die das können, Ladestationen, die das ermöglichen, und erste Geschäftsmodelle, die auf dem Markt sind.“ Österreich hinke zwar noch hinterher, aber das ändere sich. Was das für Flottenverantwortliche konkret bedeutet: Die Fragen rund um Ladeinfrastruktur, Fahrzeugbeschaffung und Leasingverträge werden komplexer. Wer zum Beispiel ein geleastes Elektrofahrzeug im Fuhrpark hat, muss klären, ob im Leasingvertrag bidirektionales Entladen überhaupt erlaubt ist. „Bis jetzt musste man nur die Ladeinfrastruktur bedenken“, so Leonhartsberger. Mittel- und langfristig eröffnen V2G und V2B aber auch erhebliche Potenziale: Unternehmen können Energiekosten optimieren und ihren Fuhrpark als aktiven Teil des Energiemanagements nutzen. Durch bidirektionales Laden gewinnen auch Informationen über die Stromherkunft, Energieflüsse und Nutzungsmuster an Bedeutung. Diese Daten können Unternehmen zukünftig nutzen, um neue wirtschaftliche Potenziale zu erschließen.

Vom Buzzword zum Werkzeug

Künstliche Intelligenz war das vierte große Thema der Diskussion, die Gesprächspartner betonten, dass KI auch im Fuhrpark kein Hype mehr sei, sondern ein konkretes Werkzeug, das schon längst angewendet wird. So läuft bei SMC Austria die Suche nach einer global einsetzbaren KI-Lösung, die unternehmensweit funktioniert und Sicherheitsstandards erfüllt. Das Thema ist heikel: Aufgrund der vielen Patente im Unternehmen braucht es besondere Sorgfalt bei der Datensicherheit. „Wir suchen nach einer stabilen Lösung, die für alle funktioniert“, so Zulu. Schmahl unterstreicht die Relevanz des Datenschutzes und bestätigt enormes Interesse: „Bei unseren Veranstaltungen und Schulungen sind KI-Themen die gefragtesten überhaupt.“ Für Leonhartsberger ist KI ein „Gamechanger“, wenn es darum geht, künftig Flexibilitätsmärkte, Energiedaten, Mitarbeiterbedürfnisse und Fahrzeugverfügbarkeiten gleichzeitig zu berücksichtigen – dann ist „KI das einzige Werkzeug, das das noch abbilden kann“.

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