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Es war einmal in Günselsdolf

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Scharf

Die Geschichte chinesischer Autos in Österreich ist länger, als man glauben möchte. Und es manch einem lieb gewesen wäre. Ein Lokalaugenschein in der Pampa aus einer anderen Zeit.

 

Natürlich ist vielen der Jangling Landwind noch ein Begriff. Der erste Versuch, ein Auto chinesischer Produktion nach Europa zu bringen, das aber am hiesigen Crashtest gnadenlos scheiterte. In Österreich indes gab es nur kurze Zeit später, nämlich Anfang 2008 einen gesonderten Versuch, Fahrzeuge aus chinesischer Produktion zu etablieren. Über den damaligen Importeur, der unter china-automobile.at seine Produkte anpries, lässt sich nichts Näheres mehr erörtern. Sehr wohl aber der Alleingang eines der damaligen Händlerbetriebe aus dem südlichen Niederösterreich, der zwei Modelle mehr oder weniger auf eigene Faust ausstellte und der Öffentlichkeit zugänglich machte. Genau an diesem Tag waren wir vor Ort.

Dass der Importeur darüber seine Nase ziemlich rümpfte, war leicht zu verstehen. Den Gästen boten sich nämlich ziemlich eindeutige Kopien bestehender Modelle anderer Hersteller, die – so hieß es von offizieller Seite – bis zur Markteinführung noch völlig umgestaltet werden sollten. Als Partner erkor man Jonway Automobile aus Taizhou, der seinerzeit zwei Modelle im Programm hatte, die großteils auf Mitsubishi-Technik aufbauten. Da wäre zum einen der Ufo gewesen, optisch unübersehbar stark an den Toyota RAV-4 angelehnt und für 17.590 Euro feilgeboten. Zum anderen der CEO, ein optischer Mix aus BMW X5 der ersten Generation mit Anleihen ehemaliger Lexus-Modelle. Probefahrten waren zwar nicht möglich, dafür ein erstes Probesitzen und die Möglichkeit, einen generellen Eindruck zu gewinnen.

Retrospektiv betrachtet, lassen sich zwei wertvolle Erkenntnisse ableiten. Zum einen, dass es definitiv schlau war, mit der flächendeckenden Markteinführung von Fahrzeugen aus dem Reich der Mitte zuzuwarten. Nicht nur die verwendeten Materialien hatten etwas von speckigem Nintendo-Plastik. Auch die Gerüche, ein Mix aus Lösungsmitteln und verwelktem Gummi erweckten nicht das nötige Vertrauen, in Fahrzeuge aus einem unbekannten Land zu investieren. Die nicht einmal 20 Jahre, die seither vergangen sind und die damit einhergegangenen Fortschritte in Fertigungstechnik und Design lassen sich kaum in Worte fassen und machen eher so sprachlos wie die Spaltmaße des Ufo.

Und, zum zweiten, hätte die technische Unterlegenheit wohl schnell dazu geführt, dass kaum jemand sich für diese Fahrzeuge entschieden hätte. Wir befanden uns schließlich in der Hochphase der Dieselära, Turboaufladung kam langsam flächendeckend in Mode, Hybrid wurde gesellschaftsfähig, bei all dem Innovationsschub wäre man mit schnöden und schon etwas angegrauten Saugbenzinern wohl nicht so gut gefahren. Die Frage, warum China lieber auf die Serienreife der Elektromobilität gewartet hat, ehe man sich in die europäischen Märkte wagte, sollte somit also geklärt sein.

Wie es mit Ufo und Ceo und dem Importeur weiterging? Den Händler gibt es in dieser Form nicht mehr, die zwei ausgestellten Fahrzeuge verschwanden ebenso schnell wieder von der Bildfläche. Der Hersteller selbst aber ging nach gescheiterten Versuchen, das Modell umzudesignen und in Europa produzieren zu lassen, schließlich zu 51 Prozent an ein US-Unternehmen, die sich 2010 darauf spezialisierten, E-Autos zu bauen – wenn vorerst auch nur für den chinesischen Markt.

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