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Status Wasserstoff und weitere Alternativen

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Ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug schafft in den Salt Flats von Bonneville einen Geschwindigkeitsrekord. Das ist ein willkommener Anlass, um den aktuellen Status von Wasserstoff und andere Alternativen zu Elektro zu beleuchten.

Der JCB Hydromax fährt in der Salzwüste 653,91 km/h schnell und ist somit das schnellste Wasserstofffahrzeug zu Land. Glückwunsch. Für die initiale Beschleunigung von null auf 96 km/h wurde im Übrigen ein Land Rover Defender OCTA mit Twin-Turbo-V8-Benziner inklusive 48-V-Mild-Hybrid-System genutzt. Das soll die Leistung des JCB nicht herunterspielen oder gar Anlass für ein Analogie sein. Denn im Nutzfahrzeugsektor tut sich einiges mit dem kostbaren Gas. 

Kochen oder heizen
Den Anfang macht jedoch etwas ganz anderes. Der Kinetic 7 klingt auf den ersten Blick etwas zu gut, um wahr zu sein. Und genau dieser Wahrheitsgehalt ist auch noch nicht verifiziert. Es handelt sich um einen Gaskocher, der zusammen mit einem kleinen PV-Modul aus Wasser Wasserstoff gewinnen möchte und damit zwei Kochstellen betreibt. Ein weiteres Produkt, das diese Firma feilhält, ist ein Generator, der auf die gleiche Weise Großgastronomie und Wohnhäuser mit „Gratis“-Wasserstoff versorgen will. Hydrogen on Demand nennt sich das und benötigt ebenso nur Wasser und Strom und produziert dann das kostbare Gas. Ob es sich hierbei um eine Ente handelt, wird die Zukunft weisen. 

Toyota ist zurück
Nachdem Toyota das Experiment Wasserstoff mit sehr hohen Verlusten wieder ad acta gelegt hatte, scheint nun der Wendepunkt gekommen zu sein. Der große Unterschied ist, dass es einerseits nicht allein stattfindet, sondern zusammen mit Volvo und Daimler Truck, und andererseits handelt es sich um den Einsatz bei schweren Nutzfahrzeugen. Denn obwohl in dem Segment der elektrische Antrieb noch schneller an Fahrt gewinnt als im Pkw-Bereich, gibt es Einsatzzwecke, bei denen die Technologie noch nicht reif genug ist und es einer Alternative bedarf. Die drei Unternehmen haben sich als anteilsgleiche Partner im Unternehmen Cellcentric GmbH zusammengefunden. Volvo und Daimler Truck haben dieses Unternehmen bereits 2021 aus der Wiege gehoben und können daher nun schon über 700 Patente und weit über 500 Mitarbeiter nachweisen. Die geplanten Anwendungsgebiete sind neben schweren Nutzfahrzeugen Reise­busse, Schiffe, Schienenfahrzeuge sowie stationäre Energieerzeugung und Off-Highway-Anwendungen.

Modularer Brennstoffzellen-Antrieb für Spezialanwendungen
Side-by-Side-Vehicles oder Utility-Vehicles sind beliebte Fahrzeuge für sehr große Anwesen und den land- und forstwirtschaftlichen Einsatz. Da auch hier der Einsatz von batterieelektrischen Fahrzeugen mitunter an seine Grenzen stößt, hat BRP-Rotax ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug entwickelt. Die Entwicklungskosten wurden durch den österreichischen Klima- und Energiefonds und die österreichische Forschungsförderung (FFG) unterstützt. Herausgekommen ist ein straßenzugelassener Prototyp mit 400 Kilometern Reichweite und fünf Minuten Betankungszeit. Außerdem sind die verbauten 90-kW-Brennstoffzellenmodule für vielseitige mobile und stationäre Einsätze geeignet. 

Hondas Wasserstoff-Kraft-Wärme-Kopplung
Honda hat schon mehr als 35 Jahre Erfahrung im Bereich Wasserstofftechnik. Für Test und Erprobung haben sie nun im Labor in Offenbach (Deutschland) eine Kraft-Wärme-Kopplung mit Brennstoffzellentechnologie gebaut. Der Winter soll zeigen, welche Einsatzgebiete dafür in Zukunft in Frage kommen. Geplant ist der Einsatz in Nutzfahrzeugen, Baumaschinen und Notstromaggregaten. Zur Erzeugung des benötigten Wasser­stoffs wird Strom aus der eigenen
Photovoltaik-Anlage genutzt, um über ein Elektrolyse-Verfahren aus Wasser Wasserstoff zu erzeugen. 

Bosch investiert stark
Gut 200 Millionen Euro steckt Bosch in Forschung und Entwicklung. Ein guter Teil davon entfällt auf Technologien im Bereich Wasserstoff entlang der kompletten Wertschöpfungskette: von der Infrastruktur über Elektrolyse-Stacks bis hin zum Antriebsmodul für Reise- und Regionalbusse. Somit möchte Bosch nicht nur den passenden Antrieb liefern, sondern auch alle Komponenten für die Kraftstoff­erzeugung. Die Antriebsmodule gibt es in extrem flacher Bauweise, damit sie auf den Dächern von Stadtbussen montiert werden können, und in kubischer Bauweise, damit sie in Reisebusse hineinpassen. Leistungen von 100–300 kW werden angeboten. Ein weiteres wichtiges Produkt von Bosch ist dem nachfolgenden Themenblock zuzuordnen und soll vor allem Flotten helfen, nachzuweisen, dass auch wirklich regenerative Kraftstoffe im Tank des Verbrenners sind. „Digital Fuel Twin“ nennt sich das System und dieses dokumentiert die Nutzung von CO2-neutralen Kraftstoffen (E-Fuel, HVO100 etc.). Das funktioniert jedoch nicht über einen Sensor, sondern über ein komplexes Meldesystem über Cloud-Daten. 

Kraftstoffalternativen
Die österreichische eFuel Alliance tagt einmal im Jahr und publiziert regelmäßig. Sie sieht sich als Aufklärungsinstitution und Interessenvertretung, um politischen Druck zu erzeugen. Ihre Argumentation, dass E-Fuels die Verbrennerkraftmaschine zum gleichen Wirkungsgrad verhilft wie einem Elektromotor, erklärt sie durch die Produktion direkt an sehr stark ausgelasteten Windkraftanlagen (in Patagonien zum Beispiel), da diese mit 6.000 Betriebsstunden im Jahr den Effizienzverlust durch das Verbrennen wieder gutmachen. Verglichen wird hier mit einer lokalen Windkraftanlage, die nur 2.000 Betriebsstunden haben soll. 

Die deutsche eFuel Group ist ein Unternehmen mit vielen Beteiligten aus der Branche, die in weiterer Folge auch selbst Kraftstoffe herstellen möchten und die Wertschöpfung nach Deutschland holen wollen. Dort ist nun auch Liqui Moly mit an Bord und hat grundlegend öffentlich bekundet, in Zukunft das Know-how und die Produktionskapazitäten mit in den Topf zu werfen. Das wird auch nötig sein, denn der Plan ist, zusammen mit dem Black-Falcon-GT3-Rennteam die Kraftstoffe im Rennbetrieb zu erproben. Einen Schritt weiter als nur beim Erproben ist Prinz Leopold von Bayern, der wohl schon seinen historischen BMW M1 mit E-Fuels betankt und zusammen mit dem Technischen Museum Sinsheim auch den Brutus mit 47-Liter-Flugzeugmotor damit gefahren hat. Weltrekord! Das E-Fuel dafür stammt aus der ältesten Bergbau-Universität der Welt. In Freiberg (Sachsen) wurde es in einer Anlage von CAC Engineering, einem Partner des RBAC, hergestellt. Ebenso als erfolgreich erprobt kann man die Bemühungen von Team Manthey Racing bezeichnen. Es setzte bereits erfolgreich beim Rennen ADAC Ravenol 24h das Racing eFuel 98 von Nordoel ein. 

Einhorn oder Elefant
Sprechen wir nun über den Elefanten im Raum. HVO100 (hydrated vegetable oil) kann der eigenen Beschreibung zufolge aus jeglichen Abfallstoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs erzeugt werden. Beworben wird es als Kraftstoff aus altem Frittier­fett. Was zu einem Teil stimmt. Und so kann man auch die Argumentation nachvollziehen, dass es CO2-neutral sein kann, auch wenn lokal die gleichen Emissionen aus dem Auspuff kommen. Österreich hat mit fast drei Milliarden Schnitzeln pro Jahr einen überraschend hohen Bedarf an Frittier­fett. Aber selbst wenn man jedes Schnitzel mit frischem Öl frittiert und man dies verlustfrei zu 100 Prozent zu Kraftstoff umwandeln könnte, reicht es nur für den Kraftstoff für etwa 1.000 Lkw. Das heißt, es muss eine andere Quelle her. Das ist in den meisten Fällen Palmöl. Wenn man nun noch in Betracht zieht, dass hektarweise Regenwald dafür abgeholzt wird, ist die CO2-Bilanz wieder deutlich negativ. Auch gegenüber herkömmlichem Diesel.

Des Nachbars Liebling
Eine weitere Alternative existiert schon gefühlt ewig und wird in einigen Ländern auch noch stark forciert. Die Rede ist von LPG (liquified petroleum gas). So kann man zum Beispiel auch in einigen Ländern jeden Dacia (außer Spring) mit einer LPG-Anlage direkt ab Werk kaufen. In Österreich ist das allerdings nicht möglich. LPG hat hier nie wirklich so Fuß gefasst, wie es bei unseren südlichen und östlichen Nachbarn der Fall war. 

Was wurde eigentlich aus …?
Die Flusszellentechnologie von der nanoFlowcell Management GmbH war Anfang der Zehnerjahre die Offenbarung, wenn es um neue Antriebe ging. Ein E-Auto, das mit Wasser getankt wird. Das klingt erstmal verrückt. Die Erfindung dahinter ist die Nano-Flusszelle, die dank positiv und negativ geladenem Salzwasser ein 48-Volt-System betreibt. Zu schön, um wahr zu sein? Der Testwagen „Quantino“ soll bereits 2020 über eine halbe Million Kilometer auf diese Weise zurückgelegt haben. Es wurde von der größten Anschubfinanzierung im Automobilsektor jemals gesprochen und dass man auf der Suche nach Produktionsstandorten sei. Es wurden Variationen der beiden Fahrzeuge vorgestellt, aber an Serie ist nach wie vor nicht zu denken. 2024 kamen die letzten Meldungen über ein Off-Road-Vehikel, eine Drohne und eine Armbanduhr. Seither Stille. Das Unternehmen ist in der Zwischenzeit von der Schweiz nach England umgesiedelt, auf Presseanfragen wird nicht reagiert. Schade eigentlich. 

Leider werden auch mittlerweile Gerüchte laut, dass es sich bei dem Produkt um einen groß angelegten und gut umgesetzten Hoax handeln soll. Während auf der einen Seite verschiedene Bildungseinrichtungen darüber diskutieren, ob die Umsetzung tatsächlich möglich sein kann, stehen auf der anderen Seite Leute, die mit dem Zeigefinger in die Vergangenheit des Gründers zeigen, der bereits zuvor mit einer nicht existenten Technologie Gelder erschlichen haben soll. Eines der größten Probleme bei der technischen Umsetzung ist allerdings die Physik. Bei einem 48-Volt-Antrieb mit 560 kW Antriebsleistung müsste eine Stromstärke von über 2.900 Ampere anliegen. Das halten die wenigsten Kabel aus. 

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