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Die dauerrote Ampel

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Ein Parkpickerl in Wien nur in Kombination mit einer Öffi-Jahreskarte? Mag nur ein politisches Hirngespinst sein. Das Thema reicht aber für kollektives Gruppenärgern.

Es sollte wirklich nur ein belangloser und seichter Witz werden, einfach nur für so, als mir eine Nachbarin von der Farbblindheit ihres Ehemannes erzählte. Die Farbe Rot könne er nicht sehen, meinte sie, worauf mir traditionell niveauvollem Menschen nichts Besseres einfiel, als mit „Also drum hat er früher öfter SPÖ gewählt“ zu antworten. Ja, ich weiß, war doof, doch nach den erhofften Lachern kam dann ein Schwenk zu einem Thema, dass es irgendwie aus den Sitzungsräumen der Löwelgasse geschafft hat – und das für kollektives Aufregen sorgte: Die Arbeiterpartei kam mit der Idee auf, Parkpickerl für Wienerinnen und Wiener nur mehr an jene Wienerinnen und Wiener zu vergeben, die auch eine Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel ziehen. Was denen einfiele. Wie man nur so ignorant sein könne. Und dass es jetzt aber endgültig reiche, waren so typische Aussagen, die daraufhin folgten. Und auch wenn ich zugeben muss, dass ich von dieser Idee jetzt auch nicht unbedingt viel halte, wundert mich etwas ganz anderes an der Sache: Es würde das eigentliche Problem eh nicht lösen.

Dass es nichts bringt, den Individualverkehr in der großen Stadt mehr und mehr zu erschweren, um die Leute auf Bim und Bus zu bringen, sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Weder die rote Welle, all die 30er-Zonen, die Bodenschwellen noch die stark reduzierte Anzahl an Parkplätzen waren Anlass genug, den eigenen Wagen stehen zu lassen und auf den Proletenschlauch zu wechseln, im Gegenteil. Der Anteil des Pkw am Verkehrsaufkommen ist sogar noch gestiegen, was natürlich schon ein Problem ist, wenn man sich ansieht, wie voll Wien die letzten Jahre geworden ist. Es ist ja auch nicht so, dass es besonders lustig wäre, sich die Tangente mit zehntausenden Anderen zu teilen, die alle versuchen, von neuen Riesensiedlungen über unverändert schmale Straßen in die Arbeit zu kommen. Aber vielleicht liegt genau hier der Schlüssel zur Lösung: Nicht das liebgewonnene Auto weiter einschränken. Sondern die Alternativen attraktivieren. Nicht Not gegen Elend gegeneinander ausspielen, sondern die urbane Freiheit auf Schienen anpreisen.

Für den Kauf einer Jahreskarte gibt’s das Parkpickerl gratis dazu zum Beispiel. Geringere Intervalle zu Stoßzeiten wären auch cool zum Beispiel. Vorbuchbare Parkplätze in den Park-and-Ride-Anlagen für Jahreskartenbesitzer, damit man auch sicher den Zug erwischt zum Beispiel. Und wenn Versicherungen es schaffen, ihren Kunden einen GPS-Tracker ins Auto zu pflanzen, damit sie eine geringere Prämie zahlen müssen, wenn sie weniger fahren, kann man das doch sicher auch irgendwie für das Spannungsfeld der urbanen Mobilität einsetzen, oder? Kreative Ideen gibt es ja in den Parteien, man muss sich nur die positiven heraussuchen. Mir fallen leider nur seichte Witze ein.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.

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