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Helden auf Rädern: Vauxhall Chevette

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Stellantis

Einst als stolze Marke sehr präsent, mutierte Vauxhall zunehmend zum Zwillingsbruder von Opel. Der Chevette war das letzte Aufbäumen einer unvermeidbaren Einverleibung, das überraschend lange Bahnen zog.

Wer nicht so ganz firm ist mit der Geschichte von Vauxhall. Einst als stattliche Firma in England ansäßig, brachte man solide Mobilität für die Massen auf die Straße. Der ziemlich konservative Zugang zu Modellstrategie und Technik machte Vauxhall aber 1925 zum Übernahmekandidaten und wurde von General Motors im Zuge einer Europaerweiterung geschluckt. Schnell wurde klar, dass man ganz nach dem Vorbild von Ford die Operationen in Deutschland bei Opel und eben in England von Vauxhall zusammenlegen wollte, um Ressourcen zu sparen, was bei den stolzen Briten aber nicht so wirklich gut ankam. Immer wieder wollte man mit den eigenen, maßlos veralteten Plattformen reingrätschen, wo man doch schon längst bei selbsttragenden Karosserien angekommen war. Doch zumindest gestand man Vauxhall bis in die 1970er hinein zumindest zu, Opel-Modelle weit über andere Markenlogos hinaus umzukrempeln, allen voran der Cavalier – ein Ascona, dem man die Front des Manta B verpasste.

 

Als es dann an das Thema Kleinwagen ging, erhoffte man sich sogar noch mehr Eigenständigkeit. GM plante ein Modell, das man am Besten weltweit verkaufen konnte, und die bei Vauxhall hatten da eine clevere Idee, ob man daraus nicht eine Art Baby-Chevy Corvette bauen könnte. Der Name Chevette kam also recht schnell ins Rennen, doch nachdem Zahlen und Kosten bei einem Großkonzern, der zu jener Zeit mehr Umsatz machte als Frankreichs BIP war, wurde schnell aufdoktriniert, dass man sich bitteschön bei einer bestehenden Plattform bedienen möge. Und da gab es ja aus Bochum den Kadett C. Tatsächlich schickte sich der kleine Hecktriebler an, nahezu weltweit nicht nur verkauft sondern auch produziert zu werden. In Japan zum Beispiel wurde er so zum Isuzu Gemini, in Australien zum Holden Gemini, im südlichen Amerika benannte man ihn sogar Chevrolet Chevette und im nördlichen Teil des Kontinents mutierte er zum Pontiac Acadian.

 

Interessanteweise blieb man mit Ausnahme des Kadetts tatsächlich beim Styling-Entwurf von Vauxhall, der dem Cavalier wie aus dem Geschicht geschnitten schien. Das bedeutete dennoch, die Front komplett neu zu entwickeln, was für die Engländer zumindest ein Teilerfolg war – man sah ihm zumindest nicht sofort an, dass drunter eigentlich ein Opel schlummerte. Um eine interessante Nische abzudecken, griff man auch zuerst zum City Kadett, also der Variante mit zwei Türen und großer Heckklappe, die in Deutschland eh nicht wirklich beliebt war. Im Königreich tauchte man da aber in eine brauchbare Nische ein, die überraschenderweise gut ankam. Tatsächlich war der Chevette eine Zeit lang sogar das beliebteste Hatchback in England, was zeigt, dass man dort gerne auf Kofferraum verzichtete, nur um einen Heckantrieb zu haben. Ein gewisser Nationalstolz spielte da wohl auch ein wenig mit, denn tatsächlich war es so, dass man haargenau den gleichen Wagen auch beim Opel Dealer bekam, nur halt mit anderer Front. Irgendwann war klar, dass das den Zahlenzählern bei GM sauer aufstoßen würde.

 

Und der Tag kam 1979, vier Jahre nach der Markteinführung. Nachdem der Viva, Vauxhalls letztes echtes Modell, endgültig wegen Überalterung eingestellt wurde, sollte auch der Chevette auslaufen. Beide wollte man durch den völlig neuen Opel Kadett D ersetzen, völlig neu entwickelt mit Frontantrieb und modernem Raumkonzept. Doch ganz so einfach war dies nicht, denn der Plan war ursprünglich, die neuen Autos allesamt in Deutschland produzieren zu lassen. Wer den Aktionismus britischer Gewerkschaften kennt, dürfte nicht weiter verwundert sein, dass man sich dann doch darauf einigte, den Chevette einfach nebenher weiterzuproduzieren, um nicht zu viele Arbeitsplätze zu verlieren, was wunderbare Früchte trug. Denn zum einen gelang es so, selbst in den frühen 1980ern noch mit einem wettbewerbsfähigen Fahrzeug in der Rallye-WM anzutreten. Zum anderen war die Idee eines leistbaren, kleinen Vehikels mit Heckantrieb so attraktiv, dass man den Chevette – der zu jener Zeit nicht mehr als Vauxhall vermarktete wurde, sondern einfach nur als Chevette – sogar nach Deutschland exportierte und erstaunliche Verkäufe erzielte.

 

Das ging bis 1984 gut, ehe es dann endgültig aus war. Der Corsa rückte von unten nach, der Kadett ging in eine Neuauflage und alle Modelle wurden in England zwar weiterhin als Vauxhall vermarktet, unterschieden sich von ihren Zwillingen von Opel aber nur mehr in winzigen Details.

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