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VWN-Markenleiterin Miriam Walz im Gespräch

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Lukas Tobler

Im Gespräch mit VWN-Markenleiterin Miriam Walz über Besonderheiten des österreichischen Markts, den Diesel-Rückgang und den Standort Deutschland.

FLOTTE: Sie sind doch schon ein paar Jahre in Österreich für Volkswagen Nutzfahrzeuge zuständig. Was sind die Besonderheiten am österreichischen Markt? 
Walz: Österreich ist vor allem in der Steuersituation bei Nutzfahrzeugen komplexer, beispielsweise die NoVA-Änderung, die wir in den letzten Jahren zweimal hatten – das beeinflusst das Geschäft natürlich maßgeblich. Grundsätzlich – abseits von Steuerregimen und Förderungen – gilt es aber da wie dort, den Kunden in seinem Geschäft mit dem bestmöglichen Fahrzeugpaket zu unterstützen. 

Ist der Diesel in Österreich noch stärker als in Deutschland?
In Österreich nimmt die Bedeutung des Diesels am Beispiel unseres Bestsellers Multivan eHybrid 4Motion – einem PHEV ohne NoVA, aber mit Allrad – ab. Von daher merken wir schon, dass der Diesel in den letzten Jahren rückläufig ist und die Kunden in diesem Segment beispielsweise zu einem PHEV greifen. Anders beim Crafter-Segment, da sind wir mit dem Diesel noch gut unterwegs. 

Können Sie schon etwas verraten über neue Modelle? Oder ist die Palette jetzt mehr oder weniger abgeschlossen? 
Wir sind derzeit mit unserem Portfolio sehr gut aufgestellt. Aber wir arbeiten natürlich immer an neuen Modellen, vor allem auch an neuen Elektro-Varianten. Beispielsweise im C-Segment wird am eCrafter gearbeitet. Hier gilt es dann vor allem, neue Maßstäbe in der Balance aus Reichweite und Nutzlast zu setzen.

Ihr Vorgänger hat mir in einem Interview einmal gesagt, der Bulli muss fliegen, damit es VW Nutzfahrzeuge gut geht. Hat sich dieses Gefüge verändert?
Der Transporter ist immer noch ein absolutes Zugpferd, aber wir haben uns insgesamt breiter aufgestellt. Wir sprechen ja nicht mehr von einem Bulli: Früher hatten wir alles auf einer Plattform gebaut, ob Kombi, Caravelle, Kastenwagen, Pritsche und auch California sowie Multivan. Jetzt sind wir von einem Basismodell auf drei gegangen, folglich besteht die Bulli-Familie aus dem Transporter, dem ID. Buzz und dem Multivan. Und diese drei zusammen sind Spezialisten in ihren Bereichen und haben natürlich ein höheres Volumen als vorher der Bulli auf einer Plattform.

Wie ist der aktuelle Multivan bei uns eigentlich aufgenommen worden?
Sehr gut. Vor allem im PHEV-Bereich ist der bereits erwähnte eHybrid 4Motion in Österreich super angekommen, schließlich bekommt man damit einen NoVA-befreiten Allrad, das ist einzigartig am Markt. Und deswegen waren wir letztes Jahr auch mit über 2.000 Einheiten dieser Version die Nummer 1 im gesamten PHEV-Pkw-Markt – eigentlich ein Wahnsinn für einen Bus (lacht).

Und wie läuft das Geschäft mit den E-Nutzfahrzeugen?
Es entwickelt sich auch bei reinen Nutzfahrzeugen – also im N1-Segment. In Österreich, glaube ich, hat sich, auch durch den Entfall der Nova auf N1, die Entwicklung hin zu Elektro nicht so sehr beschleunigt, dennoch sehen wir eine konstant steigende Nachfrage nach Elektromodellen im Nutzfahrzeug-Bereich. Worauf wir derzeit stark setzen, ist die Elektro-Pritsche, die jetzt ganz neu am Markt ist und die es so nur bei Volkswagen Nutzfahrzeuge gibt. 

Was zeichnet diese so aus?
Es ist die Kombination aus Elektro, Allrad und Pritsche: Erste Kunden wie die Strabag sind sehr zufrieden und bei ihren Dekarbonisierungsbestrebungen auch sehr konsequent. So wie viele Kommunen und Gemeinden auch. Ich glaube, gerade die Pritsche ist prädestiniert für einen Umstieg auf Elektro: Jede Baustelle oder Bauhof hat Starkstrom und die Reichweite ist für den größtenteils regional orientierten Einsatz mehr als ausreichend. Auch das Feedback der Nutzer ist nach den ersten Erfahrungen mehr als positiv – man muss E-Mobilität auch mal im harten Nutzfahrzeug-Alltag erleben. 

Unternehmer fokussieren mittlerweile sehr stark auf E-Nutzfahrzeuge. Haben Sie da spezielle Angebote?
Ja, aktuell bieten wir den Elektro-Bonus noch zusätzlich zu den aktuellen Förderungen, das sind fünf Prozent, die unsere Kunden im preissensiblen Nutzfahrzeugbereich on top erhalten. Und wir merken, dass vor allem im KMU-Bereich der ID. Buzz Cargo sehr gut angenommen wird. 

Gibt es da auch spezielle Angebote?
Wir haben den ID. Buzz Cargo in einer Variante gerade ab 29.900 Euro im Programm, das kommt bei vielen Kundengruppen gut an. Insbesondere in der Kombination mit Allrad wird der ID. Buzz Cargo nachgefragt. Und demnächst starten wir mit dem ID. Buzz Cargo mit langem Radstand. Das bringt nochmal mehr nutzbaren Raum und für die Kunden größere Einsatzmöglichkeiten. 

Was den ID. Buzz in ein ganz anderes Licht rückt.
Vor allem, wenn man sich die TCO ansieht, weil die letztendlich entscheidend sind – gerade bei den aktuellen Treibstoffkosten. Und mit der Ladeleistung und der Reichweite, die der ID. Buzz Cargo bietet, ist er für viele Unternehmer die Ideallösung. 

Wie hat sich der Wegfall der N1-NoVA bei euch ausgewirkt? 
Die Ankündigung bis hin zur Umsetzung hat sicher für Ungewissheit und folglich zu Kaufzurückhaltung geführt. Aber als dann alles geklärt war, konnten wir wieder in den Wachstumsmodus wechseln. Und das freut uns natürlich. Vor allen Dingen im C-Segment, also im Crafter-Bereich, oder auch im B-Segment. Gerade im Nutzfahrzeuggeschäft wünschen sich unsere Kunden und auch wir Planungssicherheit bei Investitionen. 

Wir alle haben die Ankündigungen der Konzernleitung gehört, Produktpaletten zu verkleinern und eventuell Werke zu schließen. Kann man schon sagen, ob VW Nutzfahrzeuge da in irgendeiner Art und Weise betroffen sind wird? 
Ich glaube, das Thema trifft alle europäischen Hersteller gleichermaßen. Aber klar, die Modellkomplexität muss mittelfristig reduziert werden. Das geht nicht von heute auf morgen: Wir haben gerade aktuell eine große Vielfalt, weil wir Kundengruppen haben, die bereits elektrisch unterwegs sind, und parallel setzen viele Kunden noch auf den Verbrenner. Das wird sich in den nächsten Jahren definitiv in Richtung Elektro verändern – vor allem, wenn die TCO hier überzeugen. Und damit wird sich auch die Variantenvielfalt reduzieren.

Aber der Standort Hannover ist erst einmal gesichert?
Als Hannoveranerin würde ich mir das gerne wünschen. Denn der Standort ist das Herz der Marke seit mittlerweile 70 Jahren und der Geburtsort des Bulli – und bis dato werden ID. Buzz, Multivan und California dort gebaut. Dennoch: wie im Zukunftsplan 2030 festgehalten, steht für Hannover noch keine Folgebelegung in den 2030er Jahren fest. Daran gilt es jetzt mit Hochdruck zu arbeiten. Fakt ist: Unmittelbar ändert sich für unsere Kunden nichts, sie bekommen weiterhin maßgeschneiderte Mobilität von Volkswagen Nutzfahrzeuge in bewährter Qualität. Das gilt natürlich auch für Service und Ersatzteile. 

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