Test: MG Cyberster
Roadster sind an sich schon im Aussterben. Aber elektrisch? Da wird die Luft dünn. Der Cyberster folgt der uralten Tradi...
Das Image als hantiges Beiwagerl der Pkw-Branche, das hat die Welt der Nutzfahrzeuge definitiv abgelegt, wie ein Rundgang über die heurige IAA Transportation zeigt. Eine positive Trendumkehr, die eine Schwemme an Neuankömmlingen mit sich bringt.
Frisch aufgeschäumter Milchschaum? Also das hätt's früher nicht gegeben. Geschweige denn Kaffee mit Keksen und Waffeln dazu, geschweige denn Ansprechpartner aus Österreich. Aber die Zeiten, als man sich mit den Jungs um eine Currywurst beim Buffet anstellte, die gerade mit dem Aufbau der Stände beschäftigt waren, die sind bei der IAA Transportation definitiv vorbei. Das Hemdsärmelige ist ein wenig dem schicken Trend der professionellen Gastgeberei gewichen, alles wirkt aufgeräumter, seriöser, ja zivilisierter sogar ein bisschen. Ganz so, als würde der Sparte der Nutzfahrzeuge endlich die Rolle zukommen, die ihr eigentlich schon längst zugestanden wäre. Schließlich wird hier kontinuierlich und ordentlich Umsatz gemacht. Ein Händlernetz mit loyalen und zwar fordernden, aber dennoch lukrativen Kunden versorgt. Aber irgendwie wirkten die Geschäftszweige der weißen Kastenwägen immer wie die schmuddeligen Verwandten aus den Arbeiterbezirken: Eh fleißig und rechtschaffend. Aber wirklich zu tun haben wollte man mit denen dann doch nicht.
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Magische Kürzel
Heute aber: Ein Auftreten, von der manch Pkw-Verantwortlicher mittlerweile träumen würde. Renault zum Beispiel setzte den neuen Trafic e-tech Electric perfekt in Szene, bis hin zu Interviewpartnern über das Design (jep, eines Kastenwagens), was einmal mehr zeigt, wie dieser Geschäftszweig gewachsen ist. Volkswagen Nutzfahrzeuge nutzte das Heimspiel für eine Breite an Modellvarianten, innen wie außen, zivil, in Tarnfarbe, neu, alt, Diesel, Elektro, also einfach alles. Ford brachte mit dem Transit City und digitalen Online-Service endgültig die Belege dafür, dass der Fahrzeugkauf wirklich nur der Start einer längeren Hersteller-Händler-Kunde-Beziehung ist, der für alle viele Möglichkeiten bietet. Und Toyota ließ mit dem Themenkomplex Wasserstoff einmal mehr aufhorchen und zeigte damit auch, dass selbst die Innovationstreiber oftmals im Bereich der kommerziellen Mobilität zu finden sind. Hier gibt es nicht nur Potenzial für alternative Alternativen. Die Kundschaft überlegt auch nüchterner. Plant langfristiger. Denkt pragmatischer. Und dass das magische Kürzel TCO (richtig: Total cost of ownership) das Maß der Dinge ist, zeigt sich am generellen Verständnis dafür, dass man ein komplettes Ökosystem an Dienstleistungen braucht, die das gesamte Autoleben abdecken – von der Finanzierung bis zur Restwertabdeckung.
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Ob dieses Erwachen erst so richtig in Fahrt kam, als es im Pkw-Bereich anfing mit den kleinen Problemchen? Das wage ich mich nicht zu beurteilen. Fakt ist aber, dass dieser Trend wie ein Buschfeuer durch die gesamte Branche zieht. Auch weit darüber hinaus, wenn man weg von den Haupthallen der arrivierten Hersteller am Hannover Messegelände ein wenig lustwandelt. Denn dass hier eine Menge Kohle zu holen ist, haben natürlich auch unsere Freunde aus dem Reich der Mitte spitz bekommen. Und um ehrlich zu sein: Vielleicht ist es sogar gut, dass wir nicht genau wissen, was von dort noch alles in die alte Welt schwappen wird. Denn die Vertreter vor Ort waren wohl nur ein Beginn. Denn bei den Zugmaschinen, die man auftischte, hätte Captain Future lange Zähne bekommen hätte. Generell bitte, so schicke Müllabfuhr-Lkw wie aus China gabs wohl noch nie, geschweige denn von kleinen selbstfahrenden City-Bussen, Last-Mile-Lieferwagen und Luxus-PHEV-XL-Pick-ups. Man durfte sich ruhig ein wenig erschlagen fühlen, was es da auf einmal alles gab. Und dennoch sei eine These erlaubt: Ganz so leicht wie bei den Pkw wird es in diesem Segment wohl nicht werden.
Denn so schick die Nutzfahrzeugwelt mittlerweile geworden ist – was nach wie vor und immer noch zählt, sind handfeste Argumente für den reibungslosen alltäglichen Betrieb einer Flotte, die nur dazu da ist, Umsatz zu generieren. Und da kommt es nur zum Teil auf eine Optik an wie aus dem Raumschiffkatalog. Was kann das Händlernetz? Gibt es eines? Gibt es wen in der Nähe der Kundschaft, hat der die Ersatzteile oder Ersatzfahrzeuge? Das ließe sich noch lange weiterführen, zeigt aber, dass die Branche trotz aller Modernisierung immer die gleichen wenigen Eckpfeiler hat und haben wird. Die aber umzusetzen, erfordert weit mehr als nur eine durchgestylte Fahrzeugpalette und Kaffee mit frischem Milchschaum dazu.
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